Autotest: BMW 316d – die klügere Limousine

Autotest: BMW 316d – die klügere Limousine

Der 3er ist intelligent, wie FORMAT im Test erfahren durfte. Zu intelligent?

Die meisten Menschen vertragen es nicht, wenn jemand anderer klüger ist als sie selbst oder vorgibt, klüger zu sein. Insofern endet hier unser Testbericht für die meisten Menschen, denn das hier vorgestellte Auto ist deutliche gescheiter als die meisten. Auf Wiedersehen.

Wer allerdings die Größe hat, die Klugheit anderer anzuerkennen, darf weiterlesen: Die im vorigen Jahr runderneuerte 3er-Reihe von BMW wurde von uns in Form der 316d-Limousine getestet. Dass der einfache Autofahrer nicht weiß, was gut für ihn ist, wird schon bei der Belegung der Sitze ersichtlich: Die ohnehin nicht allzu üppigen Ausmaße des Sitzes werden durch eine Art Beckenschutz weiter eingeengt. Wozu das gut sein kann, erfährt man im besten Wortsinn erst nach und nach, denn sogar nach stundenlangem Fahren oder Stau-Stehen hängt man nicht durch wie Uwe Scheuch nach der jüngsten Gerichtsverhandlung, sondern geht weiter aufrecht durchs Leben.

Gut belehrt

Belehren lassen muss sich der Fahrer auch in Sachen Umweltschutz und Verbrauch – den Fuß vom Pedal nehmen ist für das Auto nämlich zu wenig. Eine Anzeige teilt uns freundlich, aber unerbittlich mit, ob wir gerade „gut“ (also verbrauchsschonend und mit wenig Emissionen) unterwegs sind oder eher schlecht. Gut ist blau, schlecht ist rot. Ich ertappe mich dabei, ständig auf die Anzeige zu schielen. Ich will gut sein und schaffe es auch fast. Es gibt dazu bequemerweise vier Vorwahlstufen von sportlich (eher böse) bis sparsam (eher sehr gut).
Wirklich beeindruckend ist aber die Intelligenz des Autos: Von zahllosen Sicherheitswarnsystemen über die ausgeklügelte Navigation bis zu allerlei Unterhaltungs-Schnickschnack (Internet! Google-Suche von nahen Restaurants!) ist alles vorhanden, von dem wir vorher gar nicht wussten, dass wir es brauchen würden. Die Bedienung über das BMW-typische Rad in der Mittelkonsole ist gewöhnungsbedürftig und nicht ganz unkompliziert, der Bildschirm dafür von höchster Qualität. Erstaunlich nur, dass sogar Kleinigkeiten angezeigt wurden, eine offene Beifahrertür hingegen nur auf einem kleinen Bildchen und ohne Warnsignal. Vielleicht wollte das Auto uns ja mitteilen: Wer braucht schon menschliche Passagiere, wenn ich selbst so klug bin…

Platz: Ausreichend bis genug

Apropos Belehrung: Wie tut sich das Auto als Familientransporter? Nun, wirklich üppig ist das Platzangebot der 3er-Reihe insgesamt naturgemäß nicht, dafür sollte man auf den Touring ab Herbst warten. Erstaunlich viel Platz gibt es in der zweiten Sitzreihe, sogar für Jugendliche mit Gardemaßen. Hier hat BMW seit dem letzten Upgrade einiges getan. Vorne geben wir gerne ein wenig von unserer Bewegungsfreiheit für das Mehr an Design ab; einzig der suboptimale Verlauf des Türgriffs innen stört Menschen mit erhöhter Beinlänge, weil sich das Knie ständig daran stößt.

Der Motor macht das, was man von ihm erwarten darf: Er ist recht durchzugsstark und extrem sparsam. Ein durchschnittlicher Gesamtverbrauch von 4,4 Liter wurde versprochen – und auch ungefähr eingehalten, trotz einiger Fahrten in der Stadt. Und sonst gibt es natürlich nur kluge Kleinigkeiten zu erwähnen: Der Scheibenwischer reagiert perfekt auf die akute Regensituation, das Navi registriert selbst kleinste Staus, das Infosystem merkt sich jedes Handy. Alles in allem ein glatter 2er für den 3er – und auch das nur, weil ich es offen gesagt nicht ausstehen kann, wenn jemand klüger ist als ich.

BMW 316d

1995 ccm, 116 PS, Höchstgeschwindigkeit 202 km/h, Verbrauch laut Hersteller 4,3 Liter im Mix, CO2 114 g/km

Preis des Testmodells: ca. 42.500 inkl. MwSt. und NoVA (Listenpreis netto 25.484, Lackierung 740, Sonderausstattung 7.755, u.a. Navi, Parksystem, Sitzheizung, etc.)

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