Autosalon Genf: Neue Kleine, die ganz groß aussehen

Autosalon Genf: Neue Kleine, die ganz groß aussehen

Schummeln ist derzeit das Gebot in der Autobranche. Doch nicht der Kunde soll betrogen werden, sondern höchstens das Auge. Kleine und kompakte Autos sollen optisch wie stattliche Karossen aussehen. Oberklassenfeeling für die Masse, lautet die Devise.

Den neuen Trend lebt Mercedes am jüngsten Genfer Autosalon zum Beispiel mit dem neuen CLA (Bild oben) perfekt vor. Das viertürige Coupé könnte auf den ersten Blick genauso gut ein Modell der luxuriösen C-Klasse sein, wurde aber auf der Plattform der kompakten A-Klasse gebaut. Mit dem feinen Unterschied, dass ein Modell der CLS-Klasse bei rund 64.300 Euro startet, die neue CLA-Klasse bei rund der Hälfte.

Auch bei anderen Herstellern verrät die Optik nicht mehr gleich auf den ersten Blick, welchem Segment das Auto zuzuordnen ist. So geht der neue fünftürige Audi A3 mit insgesamt drei Seitenfenstern fast als Mittelklasse-Modell durch. „Kleinere Modelle werden maximal aufgewertet“, erklärt Peter Naumann, Dekan der Design-Uni München, das Konzept dahinter.

Die meisten Hersteller setzen dabei derzeit optisch auf dieselben Merkmale: markanter Kühlergrill, schmale Scheinwerfer und klar definierte Kanten im Blech. „Das vermittelt: Hier steckt Power dahinter“, erläutert Designexperte Andrej Kupetz vom deutschen Rat für Formgebung.

Am Genfer Autosalon finden sich etliche Beispiele im Mittelklasse-Segment, die in dieses Schema passen. Denn statt unauffälliger Mittelklasse-Modelle sind jetzt Familienautos angesagt, die wie Coupés ausschauen. Das zeigt sich beim Lexus IS 300 h und beim Volvo V60 deutlich. Und selbst der neue Skoda Octavia eifert diesem Konzept mit seiner hochgezogenen Fensterlinie nach. Zeitlos elegante Autos, die nach viel ausschauen, sind derzeit angesagt.

„Mutige Designs werden von den Kunden eher gemieden“, erläutert Formgebungsprofi Kupetz. Für die Autohersteller ist diese Einschätzung eine wichtige Orientierung bei der optischen Gestaltung eines Fahrzeugs, zählt das Design doch zu den stärksten Einflussfaktoren beim Kauf.

Kreativität bei Kompakt-SUVs

Vergleichsweise hohen Gestaltungsspielraum haben die Hersteller dagegen bei kompletten Modellneuheiten wie den neuen SUVs, die jetzt am Genfer Autosalon debütieren. Zu dieser neuen Kategorie zählen der Renault Captur auf Clio-Basis, der Range Rover Evoque, der Ford Eco-Sport oder der Peugeot 2008. „Bei solchen Modellen wird deutlich, wie viele Ideen die Designer haben, wenn sie zeigen dürfen, was sie können“, urteilt Kupetz.

Kleine Serien als Designerspielwiese

Auch bei kleineren Serien können sich Designer derzeit austoben. Ein Beispiel dafür liefert der BMW 3er Gran Turismo, bei dem optisch alle Tabus gefallen sind. Das opulente Stück überragt mit 1,50 Meter Höhe so manche Reiselimousine, ist aber trotz ausladender Maße ein schnittiger Viertürer.

Die neuen Designs, die am Genfer Autosalon vorgestellt werden, finden auch bei Mark Adams, Designchef von General Motors Europe, Gefallen. „Wenn man sich in den Messehallen umsieht, spürt man überall das Bemühen um Leidenschaft.“ Auf der Suche nach dieser Leidenschaft sind auch die leidgeprüften Rüsselsheimer. Rüberbringen soll sie unter anderem das neue Opel-Cabrio Cascada.

Diashow: Luxusfeeling für alle

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

Wirtschaft

Kulturwandel: VW krempelt die Fahrzeugentwicklung um

Auto & Motor

Umfrage zu VW: Das Vertrauen ist massiv erschüttert

Slideshow
MercedesAMG

Auto & Motor

Die Schönheiten auf der Wiener Automesse