Autokrise erreicht Mercedes

Autokrise erreicht Mercedes

Während Porsche weniger produzieren will, überraschte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Donnerstag die Anleger mit einer Gewinnwarnung der Vorzeigesparte Mercedes.

"Der operative Gewinn von Mercedes-Benz Cars wird 2012 das Vorjahresniveau von rund fünf Milliarden Euro nicht erreichen", räumte Zetsche in Stuttgart ein und kündigte ein Sparprogramm an. An den Börsen gingen die Aktien der meisten Autohersteller auf Talfahrt, obwohl Daimlers ärgste Konkurrenten BMW und Audi ihre Gewinnziele bekräftigten.

"Wir bereiten uns auf ein herausfordernderes Umfeld vor", sagte Zetsche am Rande eines Besuchs des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim. In Europa seien die Marktbedingungen "zunehmend schwieriger", in China verschärfe sich der Wettbewerb "signifikant". Absatzzuwächse in China und den USA haben den drei weltweit dominierenden deutschen Premium-Pkw-Herstellern Daimler, Audi und BMW bisher über die Krise in Europa hinweggeholfen. In den USA liegt Daimler unter den deutschen Herstellern vorn, im renditeträchtigen chinesischen Markt bilden die Schwaben hingegen das Schlusslicht. Lieferschwierigkeiten bei der im Reich der Mitte beliebten Mercedes B-Klasse und ein komplexes Vertriebsgeflecht trugen Daimler zuletzt die rote Laterne ein. "Bei Daimler ist Sand im Getriebe", urteilte NordLB-Analyst Frank Schwope und befürchtet weitere "Negativmeldungen" aus der Branche.

Dass die Autokäufer wegen der Turbulenzen in der Eurozone vor allem in Südeuropa immer zögerlicher werden, bekamen bisher vorrangig die Massenhersteller zu spüren. Europas Marktführer VW - zu dem Porsche und Audi gehören - hat die Absatzplanung für das laufende Jahr bereits ein Stück weit zurückgeschraubt. Die Rivalen Opel, Fiat, Peugeot und Renault sind schon vor längerem ins Straucheln gekommen.

Beim Absatz Gas geben - bei den Kosten bremsen

Um dem schärferen Gegenwind zu trotzen, will Daimler-Chef Zetsche den Absatz ankurbeln und die Kosten senken. Einzelheiten wolle er bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal Ende Oktober bekanntgeben, diese müssten "noch konkretisiert werden", sagte Zetsche, dessen Vertrag Anfang 2013 verlängert werden könnte. Mit schnellen, bis Ende dieses Jahres wirkenden Erfolgen rechnet er angesichts des angekündigten Gewinnrückgangs bei der Pkw-Sparte Mercedes Benz offenbar aber nicht mehr. Seit Jahresbeginn hat Daimler damit die Prognosen für seine größte und ertragreichste Geschäftssparte scheibchenweise zurückgeschraubt: Im Februar hatte Zetsche, der die Sparte Mercedes-Benz Pkw selbst leitet, einen Gewinn vor Steuern und Zinsen "auf Vorjahresniveau" in Höhe von 5,19 Milliarden Euro prognostiziert, im Juli wurde nur noch ein operativer Gewinn "in der Größenordnung" des Vorjahres angekündigt.

"Daimler weckt damit Misstrauen", sagte Analyst Albrecht Denninghoff von Silvia Quandt Research. "Das Risiko, dass Mercedes-Benz Pkw die ab 2013 angestrebte Marge von zehn Prozent nicht erreicht, nimmt zu." 2011 lag die operative Rendite bei neun Prozent, im zweiten Quartal 2012 bei 8,6 Prozent. Damit hinken die Schwaben dem Erzrivalen BMW hinterher, die Daimler als weltweit größten Premium-Pkw-Bauer schon vor Jahren abgelöst haben.

BMW strebe unverändert an, die Vorjahreswerte von Absatz und Konzernergebnis vor Steuern zu übertreffen, bekräftigten die Münchener. Die operative Rendite im Auto-Geschäft könne sogar am oberen Rand der in Aussicht gestellten Spanne von acht bis zehn Prozent liegen, sofern sich die weltweite Konjunktur nicht weiter eintrübe. Auch Audi sieht bisher keinen Grund, die Prognose für 2012 einzukassieren: Der Absatz soll steigen, das Ergebnis auf Vorjahresniveau bleiben.

Porsche trat hingegen schon auf die Bremse und will die Produktionsbänder 2013 langsamer laufenlassen: Denn die Weltmärkte befänden sich tendenziell im Rückwärtsgang, räumte Markenchef Matthias Müller ein. "Fakt ist: Das trifft auch die Premiumhersteller". Porsche werde zwar 2013 den Absatz des laufenden Jahres übertreffen, sagte Müller am Mittwochabend. Allerdings schwäche sich das Wachstum etwas ab und könne im nächsten Jahr fünf bis zehn Prozent geringer ausfallen als bisher geplant. Für 2012 rechnet Müller mit einem Absatzplus von rund 17 Prozent auf rund 140.000 Fahrzeuge. Im nächsten Jahr werde der weltweite Automarkt voraussichtlich schrumpfen. Verschont werde dabei kein Segment, wie die vorangegangene Krise gezeigt habe. "Für uns sind Rabatte kein Weg", sagte Müller. "Wir verkaufen lieber

Hohe Preisnachlässe zehren derzeit vor allem die knappen Margen von Massenherstellern wie Opel und Fiat auf. Sie können ihre Fabriken nicht mehr auslasten. Peugeot schließt deshalb ein Werk und baut Tausende Arbeitsplätze ab. GM will seine Tochter Opel in einer Allianz mit Peugeot retten und verhandelt mit den Arbeitnehmern über weitere Einsparungen.

VW-Markenvorstand Herbert Diess stellt die Organisation des Herstellers neu auf die Beine.

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