Autokrise in Europa bremst Daimler aus

Autokrise in Europa bremst Daimler aus

Die schwindende Auto-Nachfrage in Europa setzt dem Autobauer Daimler immer stärker zu.

"Der Jahresauftakt 2013 war in vielen Märkten sehr schwach, da die Kunden insbesondere in Europa verunsichert sind", sagte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in Stuttgart. Daher schlug er für das erste Geschäftsvierteljahr Moll-Töne an: "Im ersten Quartal wird der operative Gewinn sehr deutlich unter dem des vierten Quartals 2012 liegen." Im Jahresverlauf sollte damit aber der Tiefpunkt erreicht sein, ist Uebber überzeugt. "Über die kommenden Quartale hinweg werden wir uns positiv fortentwickeln."

In Europa werden derzeit so wenig Neuwagen verkauft wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht, da sowohl die Pkw-Käufer in Südeuropa als auch Spediteure mit der Anschaffung neuer Fahrzeuge wegen der unsicheren Konjunkturaussichten zögern. "Die Nachfrage nach Pkw, Lkw und Transportern war in Europa noch verhaltener als von uns erwartet", räumte der Daimler-Finanzchef ein. In Nordamerika und Japan sei der Jahresbeginn bei Trucks ebenfalls "eher schwach" ausgefallen. Auch in China, dem größten Automarkt der Welt, werde Daimler länger brauchen, "bis wir auf einen kräftigen Wachstumspfad bei den Pkw-Verkaufszahlen zurückkehren", sagte der Manager. In China hatte sich Mercedes-Benz bis vor kurzem mit zwei Vertriebsgesellschaften selbst Konkurrenz gemacht und wurden von den Pkw-Konkurrenten BMW und Audi abgehängt. Der eigens für das Reich der Mitte ernannte Daimler-Vorstand Hubertus Troska soll dafür sorgen, dass Daimler wieder Anschluss findet.

Im Schlussquartal 2012 hatte Daimler vor allem bei Mercedes-Benz kräftig Federn gelassen, da neben der Staatsschuldenkrise auch hohe Investitionen in neue Pkw- und Lkw-Modelle Tribut forderten. Der operative Gewinn der Kernsparte Pkw brach um knapp ein Drittel auf 848 Millionen Euro ein. Trotz Rekorderlösen, einer Bestmarke bei den Pkw-Verkäufen und eines gut 700 Millionen Euro schweren Sondererlöses aus dem Verkauf eines Aktienpakets am Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS schrumpfte der operative Konzerngewinn im vergangenen Jahr daher um zwei Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäft büßte Daimler zehn Prozent Betriebsgewinn ein und erwirtschaftete lediglich 8,1 Milliarden Euro. Darüber wird Daimler auch im laufenden Jahr nicht hinauskommen - trotz der angepeilten Bestmarken bei Umsatz und Fahrzeugabsatz.

Sorgenkind Mercedes soll ohne Personalabbau auskommen

Größtes Sorgenkind von Daimler ist die Pkw-Sparte, die als einst unangefochtener Marktführer in der Oberklasse mittlerweile hinter BMW und Audi zurückgefallen ist und mit schwindender Ertragskraft kämpft. Im vierten Quartal belief sich der operative Gewinn von Mercedes auf lediglich 5,3 Prozent vom Umsatz, im Gesamtjahr waren es 7,1 Prozent. BMW kam 2012 auf 10,9 Prozent, der koreanische Hersteller Hyundai auf zehn Prozent. Daimler-Finanzchef Uebber kalkuliert noch weitere Rückschläge ein: "Absehbar ist, dass angesichts des für 2013 geplanten Pkw-Absatzwachstums und geringerer Ergebnisse die Marge von Mercedes-Benz Cars zunächst sinken wird, bevor sie sich dann wieder nach oben entwickelt." Der Manager hofft auf Besserung ab Jahresmitte. Für Rückenwind sollen dann die neuen Modelle der Kassenschlager E- und S-Klasse sorgen. Die jüngst vorgestellten Mercedes-Benz-Fahrzeuge der Kompaktklasse kämen "hervorragend" an.

Um BMW und Audi künftig auf die Plätze zu verweisen und bis spätestens 2020 wieder die Krone im Premium-Pkw-Markt zu erobern, hat Daimler Spar- und Effizienzprogramme aufgelegt. Konzernweit sollen bis Ende 2014 die Kosten um vier Milliarden Euro gedrückt werden, zwei Milliarden Euro sollen allein bei Mercedes-Pkw zusammenkommen. "Das für dieses Jahr bei Mercedes geplante Einsparziel von 30 Prozent werden wir erreichen", gab sich der Finanzvorstand überzeugt. Von Personalabbau in den Pkw-Werken will der Manager nichts wissen: Dieser sei nicht zwingend, es gebe keine Entscheidungen über Stellenstreichungen. "Wir können die Fluktuation nutzen und angesichts steigender Absatzzahlen sowie sinkender Montagezeiten mit der gleichen Belegschaft effizienter werden", rechnete der Manager vor.

Nachholbedarf zum Wettbewerb hat der Stuttgarter Autobauer aus Investorensicht vor allem beim Cashflow, der sich 2012 nur auf knapp 1,5 Milliarden Euro summierte. Angesichts der 2013 weiterhin hohen Investitionen bei Pkw und Transportern werde es 2013 nicht zu einer Entlastung kommen, sagte Uebber. Für die neuen Modelle müssten zudem Bestände aufgebaut werden. Gegenläufig wirke voraussichtlich der Zufluss aus dem ab Juli möglichen Verkauf der restlichen EADS-Beteiligung in Höhe von 7,5 Prozent. "In Summe erwarte ich 2013 einen positiven Cashflow", der Finanzchef. Dass Wettbewerber wie BMW derzeit mehr Kapitalmittel erwirtschafteten, habe auch mit zeitlich anders getakteten Investitionszyklen zu tun.

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