Autofahren: Richtig reagieren bei Eis, Schnee und in Extremsituationen

Bremsen, bremsen, bremsen. Und dabei zwischendurch nicht von der Bremse steigen. Die erste Regel, um in Notsituationen Schlimmeres zu verhindern.

Bremsen, bremsen, bremsen. Und dabei zwischendurch nicht von der Bremse steigen. Die erste Regel, um in Notsituationen Schlimmeres zu verhindern.

Format.at war bei einem Fahrtechnikkurs des ÖAMTC dabei. Die Erfahrungen und die Tipps der Experten, wie man sich bei Eis, Schnee und bei Notbremsungen am besten verhält.

Bei Fahrtechnikkursen wie sie der ÖAMTC bietet, lernt man rasch seine fahrerischen Grenzen kennen. Kaum taucht bei glatter oder schneebedeckter Fahrbahn plötzlich ein Hindernis auf, kommt man schneller ins Schleudern und mitunter auch von der Fahrbahn ab, als man wahrhaben möchte.

Doch die Experten des ÖAMTC haben einige Grundregeln um gerade bei aktuellen Fahrverhältnissen wie Schnee, Glatteis und im Notfall mit gekonnten Ausweichmanövern Schlimmeres zu verhindern.

1. Runter vom Gas
Sobald schlechte Sicht herrscht und/oder winterliche Fahrverhältnisse einsetzen, sofort die Geschwindigkeit reduzieren.

2. Die Geschwindigkeit um bis zu 70 Prozent reduzieren
Der Bremsweg wird auf Schneefahrbahn länger, die Reifen haften schlechter und die Lenkung reagiert anders. Kann man auf einer trockenen etwa auf der Landstraße 100 km/h fahren, sollte man bei nasser Fahrbahn, die Geschwindigkeit um 30 Prozent reduzieren. Bei Schneefahrbahn gilt eine noch strengere Faustregel. In diesem Fall sollte man Geschwindigkeit halbieren, bei Eis rät der ÖAMTC gar um 70 Prozent langsamer zu fahren. Nur so verändert sich der Bremsweg nicht.

3. Abstand vergrößern
Gleichzeitig sollte man bei schwierigen Fahrverhältnissen den Abstand zum Auto des Vordermanns vergrößern. ÖAMTC-Tipp: Der Mindestabstand von zwei Sekunden, der bei trockener Fahrbahn gilt, muss auf nasser Fahrbahn bzw. auf Schnee und Eis entsprechend vergrößert werden.

4. ESP nicht deaktivieren
Wenn das Auto mit Elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) ausgestattet ist, kann das Heck nicht so leicht ausbrechen oder das Fahrzeug über die Vorderachse rutschen. Das ESP hält das Auto in der Spur.

5. Notbremsungen und Ausweichmanöver: So reagieren Sie richtig
Die Grundregeln:
- Fuß weg vom Gaspedal
- Bei Autos ohne Automatik: Auskuppeln und gleichzeitig
- Bremsen, bremsen, bremsen - solange bis das Auto zum Stillstand kommt. Nicht zwischendurch von der Bremse steigen,da man sonst beim nächsten Tritt auf die Bremse aufgrund der Restenergie einen umso kräftigeren Schub kriegt und sich das Auto so noch schwerer kontrollieren lässt.
- Beim Ausweichmanöver so wenig wie möglich gegenlenken, da man sonst rasch zu weit abkommt und man landet rasch im Straßengraben oder auf der anderen Fahrbahnseite.
Die meisten Autos verfügen über ABS, ist das jedoch nicht der Fall, ist das Bremsen und gleichzeitige Lenken nicht möglich. Bei Fahrzeugen ohne ABS sollte während des Gegenlenkens nicht gebremst werden. Für alle gilt jedoch: Den Blick immer in der gewünschten Fahrtrichtung halten. Denn wohin man blickt, dorthin lenkt man am ehesten auch hin.

Doch wie wenig man ein Auto im Grenzbereich im Griff hat, zeigte sich beim Format-Fahrtechniktraining. Von mehr als zehn Teilnehmern, gelang es, selbst nach mehrmaligen Versuchen, keinem der Lenker das Fahrzeug ohne Probleme durch plötzlich auftauchende Hindernisse auf Kurs zu halten.

Allrad in Notsituationen nur bedingt hilfreich

Ernüchternd des Format-Fahrtechnikkurses auch die Erkenntnis, dass Allradmodelle bei Bremsmanövern de facto keine für Laien erkennbare Unterstützung bieten und die Gefahrensituation zumindest bei Nässe und Glatteis nicht leichter meistern lassen. Das hängt wohl auch damit zusammen, das viele Fronttriebler mittlerweile ebenfalls vergleichsweise gute technische Voraussetzungen bieten.

Auf die Frage warum unter den Autos für den Kurs keines mit Heckantrieb dabei ist, gab der ÖAMTC-Instruktur eine ernüchternde Antwort: „Damit kämen wir bei Schneeverhältnissen ohnehin nicht weit.“

Die Erkenntnis aus dem Kurs: Um ein Fahrzeug in Extremsituationen auch nur halbwegs zu beherrschen, sollte man wohl am besten jedes Jahr einen Fahrtechnikkurs absolvieren.

Der ÖAMTC bietet insgesamt 14 Fahrtechnikzentren in denen Fahren in Extremsituationen trainiert werden kann.
Der ARBÖ bietet in Wien, Salzburg und in der Steiermark drei Zentren für Fahrtechnik-Kursen an.

ARBÖ-Mitglieder zahlen für ein Intensiv-Training 167 Euro, Nicht-Mitglieder 222 Euro.

Beim Öamtc kostet ein Intensiv-Training 162 Euro. Ein Dynamik-Training 210 Euro und ein Speed-Training 250 Euro.

Wer einen Fahrtechnikkurs mit einem Aufenthalt in einem Luxushotel verbinden will, hat diese österreichweit einzigartige Möglichkeit im Gut Brandlhof bei Saalfelden. Dort ist das Fahrtechnikzentrum direkt an das Hotel angeschlossen. Eine Übernachtung kostet aktuell 121 Euro pro Person. Ein halber Tag intensives Fahrtechniktraining kosten dort 162 Euro. Einen Tag lang ein fortgeschrittenes Fahrtraining machen, kostet 210 Euro pro Person. Wer lernen will, zu driften wie die Profis und Ausweichmanöver zur höchsten Kür bringen will, zahlt für die Wissensvermittlung des optimalen Kurvenhandlings für einen Tag 257 Euro pro Person.


Wer seinen SUV auch in Extremsituationen in den Griff bekommen will, kann im Brandlhof eigene Packages buchen. Dort wird man Off- und Onroad auf die unterschiedlichsten Situationen, die man mit dem Fahrzeug erleben kann, vorbereitet. Kostenpunkt: 235 Euro für einen Tag.

Format.at-Redakteurin Anneliese Proissl mit Fahrtechnikexperten des ÖAMTC beim Training auf Schnee und Eis.

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