Auto, Motorrad, Wohnwagen oder Lkw: Wer hat die besten Bremsen?

Wer bremst schneller ein Motorrad von BMW oder ein Campingwagen?

Wer bremst schneller: Eiin Motorrad oder ein Wohnwagen?

Besonders viele Auffahrunfälle passieren auf Autobahnen. Häufige Ursache: Das Unterschätzen des Bremsweges. Der ÖAMTC hat deshalb die Bremswege getestet. Ein BMW-Motorrad, trat gegen einen VW Golf, einen BMW X3, einen Wohnwagen und einen Lkw an. Die teils überraschenden Ergebnisse.

Im Vorjahr sind in Österreich 946 Auffahrunfälle auf Autobahnen und Schnellstraßen passiert. Das sind 42 Prozent aller Unfälle im sogenannten hochrangigen Straßennetz. Dabei wurden laut Statistik Austria 1.615 Menschen verletzt, 12 kamen ums Leben. Die Unfallursachen sind laut dem Verkehrsclub ÖAMTC meist auf Unachtsamkeit, falsche Einschätzung der Entfernungen und zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen. "Oft wird auch vergessen, dass die Bremsleistung nicht unbedingt mit der Motorleistung oder der möglichen Höchstgeschwindigkeit steigt", erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

BMW-Motorrad, tritt gegen VW Golf, einen BMW X3 und einen Wohnwagen an

"Wie leistungsstark die Bremsen verschiedener Fahrzeugkategorien sind, zeigt ein Vergleich, den der Club gemeinsam mit europäischen Partnern durchgeführt hat." Dazu traten ein Motorrad (BMW 1200GS), zwei Pkw unterschiedlicher Klassen (VW Golf, BMW X3), ein Wohnwagen-Gespann (BMW X3 mit Hymer Carado), ein Wohnmobil (Dethleffs Globebus T4), ein Kleintransporter (Mercedes Sprinter) und ein Lkw (DAF XF) an. "Alle Fahrzeuge waren voll beladen und mussten aus einer Geschwindigkeit von 80 km/h zum Stillstand gebracht werden", erläutert der ÖAMTC-Experte den Testablauf.

Wohnwagen besser als Motorrad

Einige Ergebnisse, etwa dass das Wohnwagengespann einen längeren Bremsweg als ein Auto überraschen nicht. Andererseits kommt das Gespann nach 25,2 Metern zum Stillstand und schneidet damit immer noch knapp besser ab als das Motorrad, das dafür 25,3 Meter braucht. Eher mäßige Werte schaffen Kleintransporter und Wohnmobil mit 28 bzw. 29,8 Metern Bremsweg. "Den längsten Bremsweg hat mit 36,2 Metern erwartungsgemäß der Lkw. Hier muss natürlich bedacht werden, dass mit insgesamt 40.000 kg mindestens die elffache Masse der auf 3,5 Tonnen reglementierten Fahrzeuge gestoppt werden musste", hält der ÖAMTC-Techniker fest. Eine Randnotiz: Der Grad der Zuladung, also ob das Fahrzeug leer, teil- oder vollgeladen an den Start ging, hatte bei allen Testkandidaten nur geringen Einfluss auf den Bremsweg.

Warum es auch auf Restgeschwindigkeit ankommt

Ebenso interessant wie die Länge der Bremswege (und in der Praxis noch deutlicher spürbar, wenn etwa ein Auto an ein Stauende kommt) sind die Restgeschwindigkeiten. "Wenn der Golf aus 80 km/h nach 23,2 Metern steht, hat das Wohnwagengespann immer noch 22,5 km/h auf dem Tacho. Beim Wohnmobil sind es 37,5 km/h, beim Lkw sogar 48 km/h", rechnet der ÖAMTC-Experte vor. "Dementsprechend heftig würde ein Auffahrunfall ausfallen." Der Überblick über Bremswege und Restgeschwindigkeiten (Ausgangspunkt ist eine Geschwindigkeit von 80 km/h):

Der Brems- und Restgeschwindigkeitstest des ÖAMTC-Tests im Detail:
Gesamtmasse Bremsweg Restgeschwindigkeit
nach 23,2 Metern
VW Golf 1.860 kg 23,2 m 0,0 km/h
BMW X3 2.365 kg 23,5 m 9,0 km/h
BMW X3 mit Wohnwagen 3.415 kg 25,2 m 22,5 km/h
BMW 1200GS 450 kg 25,3 m 23,0 km/h
Mercedes Sprinter 3.500 kg 28,0 m 33,0 km/h
Dethleffs Globebus T4 3.499 kg 29,8 m 37,5 km/h
DAF XF 460 FT 40.000 kg 36,2 m 48,0 km/h

Wichtige Faustregeln: Mindestens zwei Sekunden Abstand halten und im Notfall bremsen was das Zeug hält

Unabhängig davon, in welchem Fahrzeug man sitzt, hat der ÖAMTC-Test einmal mehr bestätigt, dass angepasste Geschwindigkeit und unbedingtes Einhalten der Mindestabstände das Um und Auf sind. "Als Faustregel gilt: Der Abstand sollte mindestens zwei Sekunden betragen. In Metern entspricht das etwa dem halben Tachowert", so Kerbl. "Wichtig ist auch, im Notfall voll zu bremsen und die Bremse erst, wenn es die Situation zulässt, wieder leicht zu lösen. ABS und ESP sorgen dafür, dass das Fahrzeug auch bei einem beherzten Tritt auf die Bremse stabil bleibt."

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