Audi: Glänzend war einmal

Audi: Glänzend war einmal

Die Autokrise in Europa hinterlässt auch beim erfolgsverwöhnten Oberklasse-Hersteller Audi zunehmend Kratzspuren.

Der Betriebsgewinn stagnierte im vergangenen Jahr und Besserung ist für 2013 nicht in Sicht, wie die VW -Tochter am Dienstag in Ingolstadt ankündigte. "Konjunkturell wird uns das neue Jahr mindestens so sehr herausfordern wie das vergangene", sagte Vorstandschef Rupert Stadler. Auf den Automärkten der Welt sei mit langsamerem Wachstum zu rechnen. Wie andere Hersteller, die ihre Fahrzeuge rund um den Globus verkaufen, setzt Audi darauf, dass Zuwächse in China und den USA weiterhin Rückgänge in Europa ausgleichen. Für 2013 bekräftigte Stadler das Ziel, erneut einen Rekordabsatz zu erreichen. "Wir wollen und wir werden weiter wachsen."

Bei den Gewinnaussichten hielt sich Stadler aber nach wie vor bedeckt. Das Ergebnis werde vom Absatzwachstum und von Effizienzsteigerungen profitieren, und die Rendite "am oberen Ende des strategischen Zielkorridors von acht bis zehn Prozent" liegen, hieß es. Das wäre weniger als zuletzt. Die Konzernmutter VW und Oberklasse-Konkurrent Daimler haben angekündigt, bei ihnen werde der Gewinn 2013 auf dem Niveau des Vorjahres verharren. Audi, sonst für vollmundige Vorhersagen bekannt, bezweifelte bislang, dass ein Anstieg des Ergebnisses in diesem Jahr möglich ist.

Rabatte werden teuer

2012 betrug der operative Gewinn 5,4 Milliarden Euro, das sind lediglich 0,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Unterm Strich ging das Ergebnis um zwei Prozent auf 4,353 Milliarden Euro zurück. Audi verkaufte zwar mit 1,45 Millionen Autos so viele Fahrzeuge wie nie zuvor, allerdings kosteten Rabatte oder Werbung den Konzern knapp eine Milliarde Euro. Finanzchef Axel Strotbek erläuterte, der Wettbewerb sei hart gewesen, vor allem in China und Westeuropa. "Dem damit einhergehenden Preisdruck konnten auch wir uns nicht vollständig entziehen." Zudem investiere Audi viel in neue Werke, etwa in Mexiko oder in Ungarn. "Es gibt Jahre, in denen man in unserer Industrie vor allem erntet, und es gibt Jahre, in denen man sät", sagte Stadler. Audi bereite sich auf die nächsten großen Wachstumsschritte vor, um den Absatz bis 2020 auf mehr als zwei Millionen zu steigern. Bis dahin soll BMW vom Oberklasse-Thron gestoßen werden. Konkurrent Daimler will ab 2014 mit seiner Marke Mercedes, Nummer 3 im Rennen, zur Aufholjagd blasen.

Bei Audi sollen neue Modelle und Varianten, etwa vom kompakten A3, zum Wachstum beitragen. Zudem setzen die Oberbayern darauf, dass ihre Geländewagen der Q-Reihe und große Limousinen wie A6, A7 und das Flaggschiff A8 weiter gefragt sind. Das stützt auch das Ergebnis, denn in der Autobranche gilt die Faustregel: großes Auto - große Rendite, kleines Auto - kleine Rendite. Bei Audi blieb zuletzt weniger Gewinn pro verkauftem Fahrzeug hängen. Die operative Umsatzrendite sank 2012 auf 11,0 Prozent, vor Jahresfrist waren es noch 12,1 Prozent. Daimler erzielte in seiner Pkw-Sparte im vergangenen Jahr 7,1 Prozent. BMW legt seine Zahlen nächste Woche vor; die sonst ankündigungsscheuen Münchner haben außer einem Absatzplus auch ein Wachstum beim Gewinn in Aussicht gestellt.

Wie bei der zurückhaltenden Ergebnisprognose folgt Audi bei der Mitarbeiterbeteiligung ebenfalls dem Branchentrend: Die Beschäftigten bekommen weniger Bonus. 8030 Euro sind es im Schnitt für 2012 - gut 200 Euro weniger. Die Konzernspitze erhält dagegen 59 Prozent mehr an Bezügen, vor allem weil für die variablen Vergütungsteile die Rekordjahre 2010 und 2011 herangezogen werden statt des durchwachsenen Jahres 2012.

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