Analyst warnt Autobranche vor „Götterdämmerung“

Ein US-Think-Tank stellt die „Altherrenriege der Benzin-Vorstände" in Frage: Sie würden die größten Herausforderungen der Geschichte verschlafen, sowohl den E-Trend als auch jenen zu selbstfahrenden Autos. Mangelnde E-Innovationen offenbare auch die IAA - ein Fehler, wie die US-Denkschmiede meint. Tesla hängt etablierte Hersteller bereits vielfach ab. Warum diese gegen Google und Apple derzeit nicht den Hauch einer Chance hätten.

Der Elektro-SUV Audi Q6 e-tron wird auf der großen deutschen Automesse IAA präsentiert.

Elektro-Autoinnovationen wie der Audi Q6 e-tron sind auf der IAA rar.

„Die deutsche Automobilbranche läuft Gefahr, binnen eines Jahrzehnts von selbstfahrenden Elektroautos überrollt zu werden“, warnt der Finanzanalyst Antonio Sommese, Director des Diplomatic Council, einem Think Tank der Vereinten Nationen, der sich als Brücke zwischen Diplomatie und Wirtschaft sieht. Das Show-Spektakel der IAA dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass „die deutsche Automobilhersteller allesamt vor der größten Herausforderung ihrer Firmengeschichte stehen. Die Götterdämmerung rückt näher“.

Amerikaner kaufen lieber Tesla als BMW oder Mercedes

Der Finanzanalyst verweist auf die Zulassungszahlen des ersten Halbjahres, die den „Durchmarsch von Tesla als derzeit einzigem ernstzunehmenden Hersteller von E-Autos“ nahelegten. In den USA liegt Tesla im Oberklassensegment vor den Zulassungen von BMW, Porsche und Audi. In der Schweiz haben sich mehr Käufer für ein Tesla S-Modell als für die S-Klasse von Mercedes, Audis A8 oder 7er-BMWs entschieden. Der Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft, hat für Tesla im ersten Halbjahr in Deutschland marktbereinigt sogar den dritten Platz in der Oberklasse nach Mercedes und Audi und noch vor BMW errechnet.

„Der Vormarsch von Tesla“ passiere in diesen Ländern ohne nennenswerte Unterstützung durch den Gesetzgeber, gibt Branchenanalyst Sommese zu bedenken. In einem Land mit steuerlicher Förderung der Elektromobilität wie Dänemark zeichne sich diese Entwicklung noch viel dramatischer ab: Im nördlichen Nachbarland kam Tesla im ersten Halbjahr auf 511 Zulassungen, während die deutsche Oberklasse nur „mühselig“ zweistellige Zulassungszahlen erreiche.

Als einer der wenigen Vordenker in punkto reine Elektroautos gilt Audi-Chef Rupert Stadler. Er forderte nun in einem Interview mehr Engagement für Elektromobilität. „Wir brauchen massive Investitionen in eine Lade-Infrastruktur“. Immerhin gibt es in Deutschland bereits gratis Parkplätze in der Innenstadt für Elektroautos. "Aber das alleine ist zu wenig", warnt Stadler.

Airbnb und Uber auch von New-Economy-Manager gegründet

„Die Aktionäre der großen deutschen Automobilhersteller sollten massiven Druck aufbauen, die Altherrenriege der Benzin-Vorstände durch eine neue Generation E abzulösen, die mit vernetzten Öko-Systemen aufgewachsen sind. Schließlich steckt hinter AirBnB auch kein Hotelmanager und hinter Uber kein Taxiunternehmer“, so Sommese, der akuten Handlungsbedarf an den Konzernspitzen ortet. Er befürchtet: „Den Topmanagern der deutschen Automobilwirtschaft ist die Dramatik der Lage nicht bewusst. Wenn sie jetzt schon Tesla nicht aufhalten können, wie sollen sie dann auch nur den Hauch einer Chance haben, wenn Apple in vier oder fünf Jahren antritt?“

"Autonomes Fahren ist durch nichts zu rechtfertigen"

So macht Google bereits Ernst: Für sein Projekt eines selbstfahrenden Autos hat das Unternehmen jetzt John Krafcik verpflichtet, einen erfahrenen Auto-Manager, der schon für Ford und Hyundai gearbeitet hat. Google arbeitet bereits seit über sechs Jahren an selbstfahrenden Autos. Zunächst baute der Konzern die Technik in Fahrzeuge anderer Hersteller ein. Inzwischen testet Google einen Zweisitzer aus eigener Entwicklung auf den Straßen. Das kleine Fahrzeug soll in der Zukunft komplett vom Computer gesteuert werden und ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommen. Porsche-Boss Matthias Müller macht sich dennoch keine Sorgen: "Das autonome Fahren stellt für mich einen Hype dar, der durch nichts zu rechtfertigen ist", sagte er gegenüber der Zeitschrift "Auto Motor und Sport".

Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung. „Wer heute im Aufsichtsrat oder Vorstand eines heimischen Automobilherstellers sitzt, sollte sich dieser Verantwortung über das eigene Unternehmen hinaus sehr konkret bewusst sein, damit es nicht schon bald zu einer Götterdämmerung kommt“, mahnt Finanzexperte Sommese.

Audi Q6: Die einzige Elektro-Auto-Innovation auf der IAA?

Die größte deutsche Automesse des Jahres, die IAA, scheint genau die Befürchtungen des US-Think-Tanks zu belegen. Denn nach derzeitigem Wissensstand wird es nur eine Elektro-Auto-Premiere geben - Überraschungen sind allerdings nicht auszuschließen. Aktuellen Informationen zufolge zeigt nur Audi in Frankfurt ein neues Elektroauto - das wird wohl der Q6. Der Audi e-tron quattro concept soll 2018 auf den Markt kommen. Das SUV liegt größenmäßig zwischen dem Q5 und dem Q7. Drei Elektromotoren - eine an der Vorderachse, zwei an der Hinterachse - treiben den Audi an. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Angaben zu Akkukapazitäten und andere technische Daten gibt es noch nicht.

Zusätzlich gibt es etwa von BMW noch neue Hybrid-Modelle. Sie bringen den 3er, den 7er und den 2er mit Steckdosenanschlüssen. Und noch heuer soll der BMW x5 xDrive40e auf den Markt kommen. Angetrieben wird der X5 von der Kombination aus 2,0-Liter-Vierzylinderbenziner mit 180 kW/245 PS und 83 kW/113 PS starkem Elektromotor. Das bietet zwar einen Einstieg in die Welt der Elektroautos. Aber wer keine Zeit oder keine Lust hat, sein Auto irgendwo mit Strom zu bedanken, kann bei Plug-in-Hybriden einfach mit Benzin weiterfahren - mit dem Nachteil, dass er eine schwere Elektrobatterie mitschleppt, die aufgrund des hohen Gewichts den Spritverbrauch des Autos erhöht.

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