"Wasserträger" Deschamps: Mit Demut zum Erfolg

Didier Deschamps soll Frankreich auch als Nationalcoach zum Erfolg führen. Der einstige Kapitän der "Equipe tricolore" ist ein geborener Leader. Seit vier Jahren erfüllt Deschamps seine Aufgabe nun als Frankreichs wichtigster Trainer. Er übernahm den Posten im Sommer 2012 von Laurent Blanc, seinem ehemaligen Kollegen in der Auswahl der Grande Nation. Bei der Heim-EM muss er unter Druck bestehen.

Die Franzosen lieben ihren Teamchef

Die Franzosen lieben ihren Teamchef

"Wichtig ist, dass man, unabhängig von den individuellen Talenten, die zur Verfügung stehen, alle Bemühungen in die Mannschaft steckt", formuliert Deschamps seine Maxime. Man müsse auch sicherstellen, dass sich alle wertvoll fühlen, egal, ob sie viel, wenig oder gar nicht spielen. "Das ist Teil der Aufgabe, die ich mit meinen Leuten habe." Respekt, Demut und Freude lauten seine Prinzipien. Skandale wie bei der WM 2010 in Südafrika sollen Geschichte bleiben.

Der in Bayonne im französischen Baskenland geborene Deschamps ist es gewohnt, den Feuerwehrmann zu spielen. Als Spieler war es seine Aufgabe, dort zu sein, wo es brennt. Der 1,74-m-Mann war der typische Abräumer im Mittelfeld, der die Ordnung mit einem einfachen Pass wiederherstellte. Als Teamchef wäre er froh gewesen, wenn er in den vergangenen Wochen etwas weniger Brandherde hätte löschen müssen. Da waren zum einen verletzte Akteure, die er ersetzen musste, zum anderen Attacken aus dem Umfeld der Mannschaft.

Deschamps' Team hat die Sympathien der Fans. Doch der Coach selbst musste in den Tagen vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Rumänien Rassismus-Vorwürfe kontern. Eric Cantona sagte in einem Interview, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Nicht-Nominierungen von Karim Benzema und Hatem Ben Arfa rassistische Hintergründe hätten. Und Benzema selber meinte in der spanischen "Marca", der Nationalcoach habe sich bei seinem Entscheid vom rassistischen Teil Frankreichs beeinflussen lassen.

Es gehört zu den Qualitäten von Deschamps, dass er das Wohl der Mannschaft nicht aus den Augen verliert. Mit Kommentaren zu den Vorwürfen hielt er sich zurück, obwohl ihm wahrscheinlich so einiges auf der Zunge gelegen hätte. Cantona, etwas wie der Intimfeind von Deschamps, nannte ihn vor rund 20 Jahren schon despektierlich "Wasserträger".

Dem zum Trotz besitzt Deschamps einen eindrucksvollen Lebenslauf: Zweimal Champions-League-Sieger (Marseille 1993, Juventus 1996), Welt (1998)- und Europameister (2000), italienischer und französischer Champion. 562 Profispiele bestritt Deschamps, in der Nationalmannschaft kam er 103 Mal zum Einsatz (4 Tore). Schon mit 20 Jahren war er Kapitän des FC Nantes. 52 Mal, so oft wie kein anderer, trug er die Spielführerschleife von Frankreich.

"Ich dirigierte schon immer gern meine Mitspieler. Das liegt in meinem Naturell", sagte Deschamps einmal. Der Weg zum Trainer war vorbestimmt. Monaco, Juventus Turin und Marseille waren sein Stationen, ehe er Nationalcoach wurde. Der WM-Auftritt 2014 in Brasilien war bereits vielversprechend. Erst gegen den späteren Weltmeister Deutschland war im Viertelfinale Schluss.

Von sich selber gibt Deschamps wenig preis, er geht verbal genauso selten ein Risiko ein wie früher auf dem Platz. Er zog seine Lehren aus der Vergangenheit. Deschamps erlebte mit, wie Aime Jacquet als Nationalcoach eine Mannschaft formte, die Welt- und Europameister wurde. Er sah, wie sehr Jacquet vor der Heim-WM 1998 unter Druck stand, wie sehr dessen Entscheide kritisiert wurden. Dass Druck von außen die Mannschaft stärker machen kann, ist Deschamps bewusst. Dass das Pendel in Frankreich rasch in beide Richtungen ausschlägt, ebenso.

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