EM-Modus-Schelte nach Schnarch-Samstag weiter hoch im Kurs

Das EM-Achtelfinale Portugal gegen Kroatien ist trotz Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Luka Modric zum Sinnbild der großen Fußball-Langeweile geworden. In 116 Minuten war kein einziger Torschuss zu bestaunen gewesen. Nicht viel ergiebiger war der magere 1:0-Sieg von Wales über Nordirland. Fans und Experten sind sich einig: Die XXL-EM in Frankreich macht noch keine große Freude.

Highlight am Samstag war der Auftritt von Bales Tochter Alba Violet

Highlight am Samstag war der Auftritt von Bales Tochter Alba Violet

Die Hoffnung auf spannendere und vor allem endlich hochklassige Spiele mit Beginn der K.o.-Phase wurde durch die Ultra-Langweiler am Samstagabend kräftig torpediert. "Dieses Turnier muss langsam ein paar Tore bringen", jammerte Englands Ex-Stürmerstar Gary Lineker, der sich gerne als moralische Fußball-Instanz inszeniert. Doch diesmal ist Lineker nicht allein mit seinem Frust.

Reflexartig echauffierte sich die Internet-Gemeinde noch während der Begegnung Kroatien gegen Portugal in Lens über den neuen EM-Modus - eine Modeerscheinung in diesem noch recht tristen Fußballsommer. "Was ist das größere Verbrechen von Platini? Zwei Mio. von Blatter kassiert oder EM Teilnehmerfeld um 50 Prozent aufgestockt?", merkte der deutsche Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger mit ironischem Unterton in Richtung des ehemaligen UEFA-Chefs und EM-Ideengebers Michel Platini an.

Das alte Fußball-Europa tut sich fürchterlich schwer, die Realität anzuerkennen, dass die automatische Dominanz des nun auch noch in einer K.o.-Hälfte versammelten harten Kerns um die Alphatiere Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, England vorbei ist. Die schon in der Qualifikation gescheiterten Niederländer haben dies bereits leidvoll aufarbeiten müssen.

Doch ist die Aufblähung auf 24 Teams mit fünf frechen Turnier-Neulingen tatsächlich schuld am dürftigen Spielniveau? Die Verteidiger der Mammut-EM haben gute Gründe, auf unschuldig zu plädieren. Gerade die kleinen Teams wie Island oder Wales brachten der EM auf und abseits des Spielfeldes erfrischende Momente - und sei es mit dem ekstatischen TV-Reporter Gudmundur Benediktsson oder Family-Fotos von Superstar Gareth Bale mit Töchterchen Alba Violet.

Die gnadenlos unterschätzten Ungarn waren am bisher torreichsten Spiel (3:3 gegen Portugal) beteiligt. Die für ihre Mauertaktik harsch kritisierten Nordiren wären als Sieger der Qualifikationsgruppe F auch nach dem alten Modus bei der EM dabei gewesen. Ungarn, Wales und Island schafften als Sieger oder Zweite ihrer Vorrundengruppe den normalen Weg in die K.o.-Runde. Und: Das Duell Portugal gegen Kroatien hätte kein Experte als legitimes K.o.-Spiel in einer späten Turnierphase infrage gestellt.

Aber: 73 Tore nach 39 Partien, 1,87 pro Spiel oder alle 49 Minuten ein Treffer - die EM steuert auf den Tiefstwert ihrer Historie zu. Gerade die Top-Stürmer tun sich schwer: Robert Lewandowski, Zlatan Ibrahimovic, Wayne Rooney und Thomas Müller stehen als Promi-Quartett symbolisch für einige Null-Tore-Angreifer. Da bleibt der Fußball-Spaß auf der Strecke. Und doch ist der EM-Trend nur die Fortsetzung eines Phänomens, das auch in vielen europäischen Ligen oder in der Champions League zu beobachten war.

Schwächere Mannschaften haben die DNA der Zauberfußballer geknackt. Ultradefensives Mauern ist die einzige Chance, sich sportlicher Übermacht zu erwehren und wird mit taktischer Disziplin kultiviert. Die EM ist schlicht die Fortschreibung der Atletico-Madrid-Devise, die Bayern München in der Königsklasse zu Fall gebracht hat.

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