Zwischen Börse und Bazar

Pannen, Affären und Polit-Streitereien bringen die Wiener Börse ins Gerede. Börse-Chef Zapotocky wehrt sich gegen Vorwürfe der Mauschelei.

Stefan Zapotocky fühlt sich missverstanden. Für Mittwoch hatte der Vorstand der Wiener Börse Voest-Aktionäre sowie Interessenten für weitere Anteile, oberösterreichische Landespolitiker und den Betriebsrat des Stahlkonzerns zu einem Gespräch nach Wien eingeladen. „Ziel des Treffens wäre gewesen, klarzulegen, wie man österreichische Interessen im Rahmen der geltenden Regeln bei einem Börsengang berücksichtigen kann“, sagt Zapotocky. Dann wurde der Termin zur Munition im parteipolitischen Streit um die Voest-Privatisierung und das Meeting – offiziell aus Termingründen – abgesagt. Im FORMAT-Interview wehrt sich Börse-Chef Zapotocky vehement gegen den Vorwurf, eine Runde klandestiner Insider hätte schon vor dem Börsengang im stillen Kämmerchen die Aufteilung der Aktien ausgemauschelt.

Unglückliche Pech- und Pannenserie am Finanzplatz Wien. Schon der Schatten eines Verdachts in diese Richtung könnte dem Ansehen der Wiener Börse bei internationalen Investoren den Rest geben. Die missglückte Einladung war nämlich nur die letzte einer Serie von Pannen am Finanzplatz Wien (siehe Kasten). „Solche Vorkommnisse sind typisch für Börsenplätze mit großen strukturellen Schwächen“, analysiert Wifo-Kapitalmarktexperte Franz Hahn. Die Hauptprobleme sind seit jeher bekannt: Der Markt ist extrem klein und daher wenig liquid. So liegt die Marktkapitalisierung, also der Gesamtwert aller börsennotierten Aktien, in Österreich bei weniger als 40 Milliarden Dollar (siehe Grafik unten). Der deutsche Aktienmarkt ist um mehr als das Zwanzigfache größer – beim üblichen Umrechnungsfaktor von 1:10 zwischen den beiden Ländern ist die Wiener Börse demnach um die Hälfte unterdimensioniert. Auch die Zahl der maßgeblichen Marktteilnehmer ist überschaubar: Es handelt sich im Wesentlichen um die großen österreichischen Banken. Außerdem sind für die meisten internationalen Fonds nur wenige heimische Aktien überhaupt interessant. Matthias Born von der deutschen Fondsgesellschaft DIT: „Außer OMV, Telekom Austria und Erste Bank sind die österreichischen Aktien nur für Nebenwertefonds interessant.“

Milde für Insider, viele aufklärungsbedürftige Deals. Umso schlimmer also, wenn große Wiener Aktien ins Gerede kommen: Im Sommer war aufgeflogen, dass Voest-Chef Franz Struzl bei einem Insiderdeal überführt wurde und nur durch außergerichtlichen Tatausgleich einer Verurteilung entging. „Der Fall wurde aufgegriffen und geklärt“, lobt Zapotocky die Arbeit der Finanzmarktaufsicht (FMA). Auf die milde Behandlung durch das Gericht hat diese allerdings keinen Einfluss. Milde gegenüber Insidern ist allerdings kein österreichspezifisches Problem. In ganz Kontinentaleuropa sind strafrechtliche Verurteilungen eher selten. FMA-Chef Kurt Pribil: „Wir kämpfen um schärfere Waffen gegen Insider.“

In den USA hätten Struzl dagegen bis zu zehn Jahre Haftstrafe und das Dreifache seines Gewinns als Geldbuße gedroht.

Noch im Laufen sind Untersuchungen der FMA zu einer Transaktion, bei der binnen vier Sekunden Aktien der VA Tech aus dem Besitz der ÖIAG im Wert von 32 Millionen Euro den Besitzer wechselten. Der Verdacht: Der Deal sei im Vorfeld so arrangiert worden, dass bestimmte Marktteilnehmer keine Chance auf die Papiere hatten. Zapotocky: „Im Handelssystem der Börse ist dabei nichts schief gelaufen.“ Tatsächlich ermittelt die Finanzmarktaufsicht aber gegen die Deutsche Bank.

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PLUS: Interview mit Börse-Chef Stefan Zapotocky über eine verunglückte Einladung, die jüngste Pannenserie und die Perspektiven für den Finanzplatz Wien.
PLUS: Börsenwinzling Wien: Klein, aber ertragreich

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