Zur materiellen Absicherung in diesem Fall legitim

"Nataschas Brief zeichnet ein neues Bild der Situation – ich befürchte, ein völlig falsches."

Grundsätzlich sollte für Interviews nichts gezahlt werden. Und selbstverständlich ist es bei Managern, Unternehmern und Politikern, aber auch bei Schauspielern und Leuten im Show-Business so Usance. Eine Ausnahme allerdings bildet der Fall Natascha. Hier geht es um einen jungen Menschen, der acht Jahre seines Lebens keine Möglichkeit für eine Ausbildung, einen Existenzaufbau und damit keine Chance für ein Einkommen hatte.

Nun will die Weltöffentlichkeit und damit die Medien ihre Geschichte hören, und Natascha selbst sagte ja auch, dass sie ihre Geschichte erzählen möchte, allerdings zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt. Ich finde es daher legitim, dass sie beziehungsweise ihre Betreuer oder Berater – im Hinblick auf den Existenzaufbau und eine materielle Absicherung ihrer Zukunft – diese Story bezahlt haben wollen.
Dabei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Natascha „verkauft“ ihre Geschichte exklusiv einer Tageszeitung, einem Magazin, einem TV- und Rundfunksender, oder sie spricht mit vielen Medien gleichzeitig und erhält von diesen einen bestimmten „Existenzsicherungsbeitrag“. In beiden Fällen können einige hunderttausend Euro zusammenkommen und eine Win-win-Situation hergestellt werden. Das Ganze mag vielleicht unmoralisch klingen, ist es aber in meinen Augen nicht. Medien steigern ihre Auflage mit „Natascha-Original-Aussagen“, und Frau Kampusch erhält ein Startkapital.

Allerdings tut sich derzeit eine „zeitliche Komponente“ auf: Die Öffentlichkeit verhält sich manchmal wie eine Meute hungriger Wölfe, die allerdings das Interesse an ihrem „Opfer“ verliert, wenn der Hunger gestillt ist. Nataschas Brief, mit dem sie meines Ermessens schlecht beraten war, zeichnet bereits für viele Menschen ein neues Bild der Situation. Ich befürchte, ein völlig falsches.
Wenn Natascha erst in einem halben Jahr reden möchte, was ihr gutes Recht ist (sie müsste auch gar nicht reden!), wird sich die „Meute“ andere Opfer suchen, der Wert einer Natascha-Geschichte sinkt.

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