Zocker im Roten Meer: Casinos Austria eröffnen luxuriöses Schiffskasino in Eilat

Der Osthändler Martin Schlaff nützt seine Top-Connections in Israel für einen neuen Coup: Gemeinsam mit Casinos-Austria-Chef Leo Wallner sperrt er vor Eilat ein Luxus-Kasino-Schiff auf.

Bert Anderson kann es kaum mehr erwarten: Im Hafen des israelischen Feriendorados Eilat am Roten Meer bleibt der Blick des Managers jeden Tag voller Hoffnung an der „Cancun“ hängen. In das Unternehmen rund um
das dreistöckige Schiff steckte Anderson in den vergangenen Monaten sagenhafte 60 Millionen Dollar.

Das Ziel der von Wien aus gesteuerten Operation Cancun: Die möglichst rasche Eröffnung des mit jedem erdenklichen Luxus ausgestatteten, schwimmenden Glücksspielpalastes im größten Tourismuszentrum Israels – wegen seiner beträchtlichen Entfernung von den autonomen Palästinensergebieten relativ sicher vor Selbstmordattentaten und ein Mordsgeschäft, weil die Israelis zwar geradezu als spielwütig gelten, Kasinos im Heiligen Land aus religiösen Gründen aber weiterhin verboten sind.

Ausgeheckt hat das lukrative Geschäft mit den Zockern im Roten Meer eine verschworene Seilschaft aus Geschäftspartnern, die sich bereits in der Vergangenheit unter schwierigsten Umständen bewährt hat. Die Rollenverteilung der kongenialen und eng befreundeten Truppe: Der öffentlichkeitsscheue Wiener Osthändler Martin Schlaff sorgt für die nötigen Politkontakte vor Ort, Leo Wallner, 68, Langzeit-Generaldirektor der Casinos Austria AG (CASAG), fungiert als Betreiber des Glücksspielgeschäfts, die Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (Bawag) schließlich steuert das nötige Kleingeld bei.

Im Falle des Luxuskahns vor Eilat macht sich das jahrelange Rackern des Trios nun bezahlt. Laut FORMAT vorliegenden Informationen steht die Eröffnung des Glücksspielpalastes im Roten Meer nach Abschluss des letzten noch laufenden Genehmigungsverfahrens demnächst bevor. Paul Herzfeld, fürs Auslandsgeschäft zuständiger CASAG-Vorstand, über das heikle Investment an der Küste von Eilat: „Aufgrund der derzeitigen geopolitischen Lage ist ein exakter Zeitpunkt schwer zu sagen.“

Welch wichtige Rolle Joker Martin Schlaff beim Projekt Cancun spielt, lässt sich dagegen relativ präzise nachvollziehen. In israelischen Zeitungen sorgen die sagenumwobenen Aktivitäten von Schlaff & Co seit Jahren für fette Schlagzeilen. Stets im Zentrum des Interesses: die fabelhaften Kontakte des 50-jährigen Unternehmers, der mit Holzhandel in Osteuropa ein Vermögen gemacht hat. Schlaff selbst („Etwas an mir muss verhext sein – man schreibt mir immer wirtschaftliche Großtaten zu“) verhehlt gar nicht, dass er mit Israels Politspitzen freundschaftlich verkehrt. Mit dem ermordeten Exministerpräsidenten Yitzak Rabin war Schlaff ebenso eng befreundet wie heute mit Ariel Sharon: Schlaff ist zudem regelmäßiger und gern gesehener Gast auf Sharons Ranch Sycamore in der Negev-Wüste.

Weil die Familie Sharon derzeit wieder einmal im Zusammenhang mit anrüchigen Parteispenden in einem Strudel von Anschuldigungen versinkt, dauerte es nicht lange, bis auch Martin Schlaff als möglicher Sponsor des bulligen konservativen Premiers kolportiert wurde.

Die in israelischen Zeitungen in epischer Breite abgehandelte Story: Schlaff könnte sich dafür erkenntlich gezeigt haben, dass sich der Ministerpräsident für das Kasinoprojekt vor der Küste Eilats einsetzte. Im August des Vorjahres musste sich gar CASAG-Chef Leo Wallner gegen Bestechungsvorwürfe wehren: Die liberale Tageszeitung „Ha’aretz“ hatte behauptet, „österreichische Geschäftsmänner“ hätten Sharon mit 1,5 Millionen Dollar „unterstützt“, um bei der Errichtung des Schiffskasinos bessere Chancen zu haben. Wallner wies den Vorwurf vehement zurück: „Von unserer Seite schließe ich Bestechungsgelder aus.“ Auch Martin Schlaff nimmt gegenüber FORMAT erstmals zu den Parteispendenvorwürfen Stellung und legt sich fest: „Diese Behauptungen stimmen nicht.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: MobilTel: Große Kassa für Taus, Schlaff & Co
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Wer die Worte "aber" und "Probleme" aus seinem Wortschatz streicht hat bereits gewonnen. Oder gaukelt sich vielleicht nur selbst etwas vor?
 

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