Zinssteigerungen bekämpfen den gesamten Patienten

„Die USA dürften die Krise rasch überwinden, die EU-Länder aber in eine Stagnation abrutschen.“

In einem Punkt stimmen gegensätzliche Wirtschafts­theorien und unterschiedliche Parteien überein: Inflation soll durch Zinssteigerungen bekämpft werden. Umstritten ist lediglich, ob die Inflationsbekämpfung bei schwacher Konjunktur Vorrang haben soll. Tatsächlich bekämpfen Zinssteigerungen den gesamten „Pa­tienten“ und nicht seine „Krankheit“, und zwar in zehn Schritten:

1) Der Inflationsanstieg der letzten zwei Jahre ist Folge höherer Kosten in Gestalt massiv gestiegener Rohstoffpreise.

2) Jede Zinserhöhung steigert zusätzlich die Fremdkapitalkosten drastisch. Seit Ende 2005 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins um 2,25 Prozentpunkte erhöht. In Deutschland stieg dadurch der Zinsendienst von Unternehmen und Haushalten um etwa 60 Prozent oder fast 80 Milliarden Euro.

3) In diesem Ausmaß werden Einkommen von Produzenten (Unternehmern, „Häuslbauern“ etc.) zu Besitzern von Finanzvermögen umverteilt.

4) Dadurch wird die Nachfrage gedämpft, diese ist aber nicht Ursache der Inflation – dies war zuletzt vor ca. 35 Jahren der Fall.

5) Während die EZB den Leitzins mehr als verdoppelte, senkte ihn die US-Notenbank auf ein Drittel. Dies hat zur ­drastischen Aufwertung des Euro beigetragen.

6) Dadurch wird sich die Wirtschaftslage in der EU just
in einer Schwächephase der Weltkonjunktur verschlechtern.

7) In den USA fördern hingegen niedrige Zinsen, ein schwacher Dollar und starke Steuersenkungen die (Real-)Wirtschaft – in der EU heißt es hingegen: Weiter sparen.

8) Unter diesen Bedingungen dürften die USA die Krise rasch überwinden, die EU-Länder aber in eine Stagnation „abrutschen“.

9) Diese Entwicklungen hatten sich bereits nach 2000 ergeben, geradezu bis in die Details – und mit dem gleichen (Miss-)Erfolg.

10) Wer nicht lernen kann, muss wiederholen – zum Schaden anderer.
Freilich: Lernen ist für die EZB besonders schmerzhaft, müsste sie doch ihren Glauben in Zweifel ziehen. Da hält sie sich lieber an die Logik:
Ein toter Patient ist nicht mehr krank.

Peter Pelinka

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