Wirtschafts-Wunder Indien

Wenn Lakshmi Niwas Mittal die Hochzeit seiner Tochter feiert, dann wird nicht gespart: Schlappe 55 Millionen Euro ließ sich der indische Stahlbaron das berauschende Fest im Schloss Vaux-le-Vicomte im Süden von Paris vor einem Monat kosten. Bei der sechstägigen Sause inklusive Pre-Party im Tuilerien-Park und Verlobungsfeier im Schloss Versailles wurden insgesamt 6.100 Flaschen vom feinsten Champagner geköpft. Zudem ließ der Tycoon neben 6.000 servierten Mahlzeiten das vegetarische Menü für 300 indische Gäste täglich aus der Heimat einfliegen.

Mittal selbst pendelte mit Privatjet zwischen Paris und London. Seine standesgemäße Bleibe, eine Zwölfzimmervilla im Londoner Nobelviertel Kensington Palace Garden, hatte er erst kürzlich für 102 Millionen Euro von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone erworben – der höchste Preis, der je für ein Wohnhaus bezahlt wurde. Für den reichsten Inder mit einem Gesamtvermögen von fünf Milliarden Euro war auch das ein Klacks.

Doch die wahre Bombe platzte erst vor zwei Wochen, als Mittal verkündete, langfristig wieder in die Heimat investieren zu wollen: „Indien ist auf unserem Radarschirm.“ Eine Sensation. Denn bislang hatte der umtriebige Industriemagnat, der sein Geld mit dem Kauf und der anschließenden Sanierung unrentabler Stahlkocher in Asien, Afrika und Osteuropa verdient, jedes Engagement auf dem Subkontinent dezidiert ausgeschlossen. „Ordentliches Wachstum“, so die bisherige Konzernphilosophie, sei nur außerhalb des 1,1 Milliarden Menschen umfassenden Subkontinents zu erreichen.

Der plötzliche Sinneswandel ist aber kein Zufall. Der Stahlkonzern reiht sich mit seiner Entscheidung für Indien in die Kolonne internationaler Unternehmen ein, die sich aufgrund des indischen Wirtschaftswunders fette Profite erhoffen. Zahlreiche multinationale Konzerne, wie etwa Microsoft, IBM oder Coca-Cola, sind längst vor Ort tätig – und jeden Monat kommen Dutzende neue Betriebe hinzu. So wird etwa der Pharmariese Novartis die gesamte Forschung und Entwicklung im Bereich Generika von Kundl/Tirol nach Mumbai verlagern.

Tatsächlich hat sich der traditionelle Entwicklungshilfeempfänger Indien in den vergangenen Jahren zu einem wirtschaftlichen Powerhouse entwickelt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe aller in einem Jahr produzierten Güter und Dienstleistungen, wächst seit 1994 jährlich um durchschnittlich fünf Prozent. Für heuer prognostiziert die Ratingagentur Standard & Poors sogar ein Plus von acht Prozent. Damit wächst das Land der Gurus, Saris und Maharanis viermal so schnell wie Westeuropa und doppelt so rasch wie die USA.

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