Willkommen in Österreich?

Österreich ist seit 40 Jahren ein Einwanderungsland. Die Politik hat sich darauf trotzdem noch kaum eingestellt: Das Potenzial Migration wird zu wenig genützt. Fakten über die Zuwanderer.

Hikmet Ersek, Chef von Western Union in Wien, würde man nun nicht als „gelungenen Integrationsfall“ bezeichnen. Für einen CEO eines global agierenden US-Konzerns gelten solche Kategorien normalerweise nicht. Und doch hatte es auch Ersek in Österreich nicht leicht: Als er mit 19 – damals als Basketballspieler – aus der Türkei einwanderte und dann in Wien studierte, fühlte er sich meist als Außenseiter: „Österreich ist ein hartes Pflaster, um sich zu integrieren. Wir türkische Studenten hatten in der Mensa einen eigenen Tisch, weil wir uns nicht zugehörig fühlen konnten. Aber ich habe es schließlich geschafft“, sagt der Manager, der – so erzählt man – auch noch als Top-Führungskraft immer wieder in Gastarbeiterdeutsch per du angesprochen wurde. Ein symptomatischer Umgang mit Zugewanderten in Österreich.

15 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind im Ausland geboren – mehr als im Einwanderungsland USA. In den nächsten zehn Jahren, errechnete das Wifo, wird dieser Anteil auf 17 Prozent steigen. Österreich ist auch kein rein christliches Land mehr, 300.000 bis 400.000 Muslime leben hier. „Österreich hat großen Nachholbedarf, mit diesen Fakten umzugehen: Migration wird nicht als Potenzial, sondern als Gefahr gesehen“, kritisiert Ersek, dessen Bank Migranten spezifisch umwirbt. Mit der Integrationsplattform des Innenministeriums hat die Debatte darüber, wie ein Einwanderungsland zu organisieren ist, begonnen. FORMAT zeigt die Problemfelder.

Vom Arzt zum Tellerwäscher: Ungenützte Potenziale
Shilpi Raja-Dubei hat zwei Studien abgeschlossen, und der Bedarf nach dem, was sie gelernt hat, ist in Österreich groß: Dr. Raja-Dubei ist Ayurveda-Ärztin. Allein: Die Inderin darf in Österreich nicht praktizieren. Anders als in den meisten EU-Staaten wird ihr Studium hier nicht anerkannt. Als sie 1993 nach Österreich heiratete, jobbte sie deshalb erst bei McDonald’s, nützte dann ihre Sprachkenntnisse bei der AUA und arbeitet nun im Schichtdienst in der Gepäckermittlung am Flughafen. „Ich dürfte in meiner Disziplin nur ein Massagestudio eröffnen – das ist mir zu wenig.“

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