Wien darf nicht zum regionalen Drehkreuz werden

„Die AUA verfügt über genug Substanz, um sich ohne Zeitdruck ihrer Zukunft zu widmen.“

Die Frage zur Zukunft der Austrian Airlines ist mit jener des Standorts eng verbunden. Wenn wir weiterhin Zentralen internationaler Konzerne beherbergen und internationale Konferenzen anziehen wollen, dann muss auch die Steuerung dieser Verkehrsströme von Österreich aus beeinflussbar sein. Das geht – abgesichert – nur mit einem guten Netzwerk. Somit ist jede Übernahme skeptisch zu betrachten. Ein objektiver Strategie-Check aller Be­teiligten soll ohne Hast erfolgen. Dabei sind alle möglichen Optionen und/oder Partner zu untersuchen und zu bewerten. Die Lufthansa ist nur eine davon, wobei zu bedenken ist, dass die Lufthansa schon heute im 400-Kilometer-Umkreis von München drei „Hubs“ (Frankfurt, München, Zürich) betreibt. Wien wäre der vierte, was die Gefahr in sich birgt, dass, nach dem Diktat des Rechenstiftes, dieser Standort zu einem regionalen Drehkreuz zurückgestuft wird. Es geht nicht um „selbst ernannte Flugexperten“ und um Seilschaften, sondern um mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der gesamten Region, die direkt oder indirekt mit der Frage des „Standorts Flughafen Wien“ verbunden sind.

Die Politik muss echte Standortpolitik betreiben. Es kann nicht sein, dass andere (größere) Länder dies tun, und bei uns gehen die Stakeholder zum Gelächter Europas aufeinander los. Als Aufsichtsrat von AUA und ÖIAG mahne ich Professionalität statt Eitelkeit ein und werde mich in den Gremien entsprechend äußern, denn allzu oft hatte ich leider mit meiner Kritik bezüglich Versäumnissen in der Vergangenheit Recht. Es geht nicht an, dass die engagierte Belegschaft der AUA laufend mit absurden Konkurs- oder Übernahmegerüchten konfrontiert wird. Die Austrian Airlines verfügen über genug Substanz, um sich ohne Zeitdruck ihrer Zukunft zu widmen. Ich bin stolz auf meine Kollegenschaft! Wenn das Management die Menschen (Kunden, Aktionäre, MitarbeiterInnen) in den Mittelpunkt stellt, ist mir auch um die Zukunft nicht bange. Und dann wird sich auch die Frage nach möglichen Miteigentümern mit Selbst-, aber auch Realitätsbewusstsein beantworten lassen.

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