Wie Österreichs Top-20-Unternehmen im Vorjahr 10 Milliarden Euro verdienten

Hauptversammlungen sind für Vorstandschefs börsennotierter Unternehmen besondere Events. Im Zusammentreffen mit den Aktionären kristallisieren die Emotionen eines Geschäftsjahres, die je nach dessen Verlauf von Bewunderung über Dankbarkeit bis zu Schmähung und Zorn reichen können.

Erich Hampel kann seinem letzten großen Auftritt vor dem für heuer geplanten Börsenrückzug freudig-erregt entgegensehen. Am 3. Mai wird er den Aktionären nicht nur das beste Ergebnis der Firmengeschichte präsentieren, sondern auch den höchsten Gewinn, den je ein Konzern in Österreich erwirtschaftet hat. Die Jahresabschlüsse liegen zwar noch nicht vor, doch die Börsenanalysten rechnen mit einem Profit von sagenhaften 3,3 Milliarden Euro – in alter Währung unglaubliche 45 Milliarden Schilling.

Die BA-CA hat damit den größten Anteil an der imposanten Gewinnexplosion der Wiener Börse, doch mit dem Ölmulti OMV und der Ostbank Raiffeisen International übersprangen noch zwei weitere Konzerne die Milliarden-Euro-Grenze, und weitere vier schafften mehr als eine halbe Milliarde Plus (alle Zahlen für 2006: geschätzte Gewinne und Dividenden; Quelle: RCB, BA-CA, Erste Bank). Noch nie haben die heimischen Topunternehmen so viel verdient wie heuer. Erwirtschafteten die 20 ATX-Konzerne 2004 3,82 Milliarden Euro, legten die Profite 2005 bereits um mehr als 50 Prozent auf 5,95 Milliarden zu. 2006 sprangen die Gewinne schließlich nochmals um 64 Prozent nach oben, und mehr als die Hälfte der Wiener Börsenelite erreichte ein neues Rekordergebnis.
Für Analysten wie die RCB-Expertin Claudia Vince-Bsteh ist das keine Überraschung: „Das Umfeld war für die heimischen Unternehmen sehr günstig, und in manchen Fällen – etwa bei der BA-CA oder auch bei Raiffeisen – gab es durch Sondererlöse aus Beteiligungsverkäufen noch einen besonders positiven Effekt.“ Insgesamt lassen sich drei Erfolgsfaktoren der österreichischen Topunternehmen herausfiltern, die in Summe zu den sehr guten Ergebnissen führten.

Einer davon ist die Expansion nach Osteuropa. Nicht nur Spitzengewinner BA-CA, sondern auch Erste Bank und Telekom Austria beziehen mittlerweile einen Gutteil der Gewinne und praktisch die gesamte Wachstumsdynamik aus ihren Beteiligungen in Osteuropa. Nicht zuletzt deshalb hat Erste-Chef Andreas Treichl seiner Bank ab 2007 eine neue Struktur verordnet, die den geänderten Marktverhältnissen entspricht, und die OMV baut mit Bukarest, dem Sitz der Tochter Petrom, eine zweite Firmenzentrale auf. OMV-Chef Ruttenstorfer: „Früher waren wir ein österreichisches Unternehmen mit Aktivitäten im Ausland, jetzt sind wir ein internationales Unternehmen mit Sitz in Wien.“ Sogar die Firmensprache ist vor zwei Jahren auf Englisch umgestellt worden.

Ein weiterer Gewinntreiber waren die Energie- und Rohstoffpreise. Auch hier zählt die OMV zu den Profiteuren. Ruttenstorfer: „Zur einen Hälfte kommt das sehr gute Ergebnis von unseren Akquisitionen, zur anderen Hälfte natürlich aus den hohen Öl- und Gaspreisen.“ Auch der Rekordgewinn der Verbundgesellschaft ist mit den hohen Energiepreisen gekoppelt. Österreichs größter Stromerzeuger verfügt über den höchsten Anteil an günstiger Wasserkraft und kann so die Kilowattstunde bei unverändert niedrigen Gestehungskosten zu deutlich höheren Marktpreisen verkaufen. Demgegenüber muss die Konkurrenz ihre kalorischen Kraftwerke mit teuren fossilen Brennstoffen befeuern und dazu noch ebenfalls kostspielige CO2-Zertifikate kaufen.

Diese höheren Energiekosten treffen auch die voestalpine. Doch dieser Nachteil ist für die Linzer Stahlkocher leicht zu verkraften. Sie profitieren von einem dritten wichtigen Erfolgsfaktor – der hervorragenden Weltkonjunktur, die die Nachfrage nach Rohstoffen wie Stahl in lichte Höhen getrieben hat. Für voestalpine-Chef Wolfgang Eder steckt aber mehr als bloß ein hoher Stahlpreis hinter den enormen Gewinnen: „Wir haben uns während des Stahlbooms auf die anspruchsvollsten Produktsegmente konzentriert und über 2,5 Milliarden investiert, um die Qualitäts- und Technologieführerschaft weiter auszubauen.“ Nun ernte man den Lohn dieser Strategie. Eder: „Heute sind wir weltweit Nummer eins bei Spezialschienen und Weichen, Europaführer bei Sonderprofilen sowie Rohren und unter den Top-anbietern für automotive Komponenten.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

Wirtschaft

Zweifel an Lithium-Abbau in Kärnten

Wirtschaft

Umbau bei Casinos Austria, Suche nach neuem Vorstand läuft

Auto & Mobilität

BMW schockt Anleger mit Gewinnwarnung