Wie wir den Nachbarn davonziehen

Früher waren die Schweiz und Deutschland unsere Vorbilder. Jetzt lassen wir sie hinter uns. Mit der Wirtschaftspolitik der Regierung hat das allerdings nur bedingt zu tun.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser gibt derzeit ausländischen Journalisten besonders gern Interviews. Die stellen erstens keine unangenehmen Fragen über Homepages. Und zweitens tun sie etwas, das noch vor einigen Jahren undenkbar schien: Sie schielen auf die wirtschaftlichen Erfolge Österreichs. Grasser liebt solche Fragen. Der „Neuen Zürcher Zeitung“ sagte er kühl lächelnd: „Heute ist Ihr Land für uns, aber auch für Europa kein Vorbild mehr.“ Und Deutschland wollte
er wegen des hohen Defizits gleich das Stimmrecht in der EU entziehen – nicht ohne auf die im Vergleich „vorbildliche“ österreichische Budgetlage hinzuweisen.

Große Töne für ein kleines Land, die nur teilweise mit der Persönlichkeitsstruktur des Ministers zu erklären sind. Denn Grasser stützt sein Selbstbewusstsein auf empirische Daten: Noch vor zwei Jahrzehnten galten Deutschland und die Schweiz als große Vorbilder – reicher, besser, flexibler. Heute hat Österreich seine Nachbarn in fast allen Bereichen überholt.

Beispiel Wirtschaftswachstum: Allein in den letzten zehn Jahren ist Österreichs Wirtschaft im Durchschnitt um die Hälfte stärker als Deutschland und zwei Drittel stärker als die Schweiz gewachsen – und auch 2004 liegt Österreich vor den Nachbarn und über dem Schnitt der Eurozone (siehe Grafik). Von österreichischen Arbeitslosenzahlen können die Deutschen nur träumen. Die Produktivität steigt in Österreich seit Jahren deutlich stärker als die unserer reichen Nachbarstaaten.
Die Schweiz hat nur noch beim Pro-Kopf-Einkommen, Bildung und Infrastruktur die Nase vorn – und Deutschland ist schon in allen Bereichen abgeschlagen: „Im Zuge des EU-Beitritts 1995 und der damit eingeleiteten Reformen der vergangenen Jahre hat Österreich stark aufgeholt“, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „und damit sein einstiges Vorbild und wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschland längst überholt.“

„Der kleine Tiger Europas“, meint der deutsche Wirtschaftsforscher Hans- Werner Sinn in seinem Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ sei dem großen Nachbarn mit einer beeindruckenden Entwicklung davongezogen: „Noch im Jahr 1970 ist das Sozialprodukt Österreichs bei nur 59 Prozent des westdeutschen Wertes gelegen (...) Nun schauen die Österreicher von ihren hohen Bergen mitleidig auf die Deutschen herab und sind zu Recht stolz auf das, was sie erreicht haben.“

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PLUS: Vergleich mit den Nachbarn I: Zwei zu null für Österreich
PLUS: Vergleich mit den Nachbarn II: Deutschland ist abgeschlagen
PLUS: Zeugnisverteilung in Brüssel: Österreich ist die Nummer drei in Europa

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