Wie hätten wir diese Familie erreichen können?

„Unser Notruf ist Tag und Nacht besetzt, und trotzdem stelle ich mir die Frage: ,Ist das alles zu wenig?‘“

Das Frauenhaus hat versagt, die Gesellschaft hat versagt! Wieder einmal haben wir ei­ne Frau nicht erreicht, die dringend Hilfe gebraucht hätte. Der Auftrag der Frauenhäuser ist es, Frauen und ihren Kindern Schutz und Hilfe vor Gewalt zu bieten. Niemand in Ös­terreich soll in Angst und Schrecken le­ben. Wir treten aktiv gegen Gewalt an Frauen und Kindern auf. Jährlich suchen alleine im Frau­enhaus Amstetten 34 bis 40 Frauen und ihre Kinder diesen Schutz. Unser Notruf ist Tag und Nacht besetzt, und trotzdem: Ist das alles zu wenig? Vor ungefähr zwei Jahren hat sich Natascha Kampusch aus ihrer Gefangenschaft befreit, im Dezember des Vorjahres wurde ein Kind in Ybbs an der Donau vom Vater aus dem Fenster geworfen; es starb. Und jetzt passiert diese Gewalttat, nicht weit vom Frauenhaus entfernt. Wie viele Frauen und Kinder vege­tieren in Niederösterreich, in Österreich noch in dieser Weise in Kellern, Verliesen oder anderen Gefängnissen? Auch meine Informationen sind nur aus den Medien. Auch ich habe von nichts gewusst, kenne niemanden aus der Familie oder aus dem familiären Umfeld. Im Frauenhaus ist in den letzten Jahren kein Notruf ­eingegangen, der zu dieser Amstettner Familie geführt hätte. Und trotzdem stelle ich mir die Frage: Wie hätten wir die Frau erreichen können? Aus den Medien weiß ich, dass sie ein TV-Gerät in ihrem Gefängnis hatte. Hätte sie in dieser Weise vom Frauenhaus erfahren und so einen Weg zur Hilfe finden können? Wir hätten ihr geglaubt, wir arbeiten parteilich für die Opfer.

Ich hoffe auf eine baldige, genaue Analyse. Ich ersuche die Medien, im Speziellen den ORF, zu den Hauptsendezeiten Informationen über Gewalt, deren Formen und über Hilfseinrichtungen zu bieten, wieder und immer wieder. Die Frauenhäuser werden nicht müde, gegen diese Gewalt aufzutreten, und ein bisschen mehr Unterstützung durch Politik und Me­dien könnte uns diesem Ziel ein Stück näher bringen. Bei jeglicher Form von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt an Frauen oder Kindern finden Sie bei der Frauenhelpline gegen Männergewalt (Tel.: 0800/222 555) und im Frauenhaus Amstetten (Tel.: 0 74 72/66 500) Unterstützung.

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