Wie gefährlich ist Diesel?

Wissenschaftler schlagen Alarm: Diesel-Fahren ist so schädlich wie Rauchen. Folge: Die Dieselpreise explodieren – und 1,7 Millionen Österreicher müssen ihre Autos nachrüsten.

Seit vergangenem Dienstag hat der österreichische Volkswagen-Importeur Porsche Austria ein Spezialangebot für Dieselfreunde: Den Passat 2.0 TDI mit 136 PS gibt es jetzt als „Umwelt-Sondermodell“ mit so genanntem Partikelfilter. Dieses bei Autokäufern noch recht unbekannte Extra reduziert den Ausstoß von Rußpartikeln und ähnlichen umweltbelastenden Feinstaub-Emissionen durch Dieselaggregate um neunzig Prozent.

Das Timing passt: Bisher galten die boomenden Selbstzünder wegen ihres niedrigeren Treibstoffverbrauchs und des dadurch bedingten geringeren Ausstoßes von schädlichem Kohlendioxid als besonders umweltfreundlich. Doch jetzt stellen sie sich zunehmend als echte Umweltbomben heraus: Laut einer druckfrischen Studie des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) sind die Abgase von Dieselmotoren deutlich giftiger als die von Benzinern. Sie enthalten tausendmal mehr Rußpartikel und dreimal so viel Stickoxide.

VCÖ-Verkehrsexperte Wolfgang Rauh beschreibt die dramatischen Folgen einer simplen Autofahrt: „Bei Stau ist die Staubbelastung im Wageninneren vergleichbar mit jener in einem stark verrauchten Lokal. Wer Kinder im Auto mitnimmt, setzt ihre Gesundheit aufs Spiel.“

Deshalb werden in der österreichischen Bundesregierung und auf EU-Ebene bereits einschneidende Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung durch Diesel überlegt. Die steuerliche Begünstigung wackelt. Umweltminister Josef Pröll denkt über einen verpflichtenden Einbau von teuren Partikelfiltern nach. Und die EU gibt ab 2008 Emissionsgrenzwerte vor, bei denen die derzeitigen Dieselaggregate nicht mehr mitkönnen.
Bernd Pischetsrieder, Chef des Volkswagenkonzerns, sieht bereits das Ende des Dieselmotors kommen: Selbstzünder würden durch die neuen technischen Erfordernisse um rund 2.000 Euro teurer und wären somit für Konsumenten bald nicht mehr erschwinglich. Pischetsrieder: „Am Ende werden nur noch schwere Limousinen mit Dieselmotoren ausgestattet.“

Ins Visier genommen hat den Diesel auch schon das Österreichische Umweltbundesamt. Dessen Verkehrsspezialist Günther Lichtblau verweist auf die rapid steigenden Grenzwertüberschreitungen an den Luftgütemessstellen und räumt mit dem Ökoimage des Diesels gründlich auf: „Die Feinstaubbelastung durch den Dieselboom macht es zunehmend unmöglich, die von der EU vorgegebenen Emissionsgrenzwerte zu erfüllen.“

Gesundheitsschäden durch Diesel. Das Ökoimage beruht auf dem niedrigeren Treibstoffverbrauch und der damit geringeren Menge an von Dieselmotoren ausgestoßenem Kohlendioxid.

Zu Unrecht, wie Günther Lichtblau meint: „Auch beim CO2 sind Dieselmotoren keineswegs so vorbildlich wie immer angenommen. Zwar verbrennen sie weniger Treibstoff, dafür ist die CO2-Dichte je Kubikmeter Abgas höher.“ Außerdem wirken die von Dieselautos ausgestoßenen Stickoxide als Vorläufersubstanzen für die Ozonbildung.

Die Folgen für die Gesundheit: Nasen- und Rachenraum, Luftröhre, Bronchien, Bronchiolen und Lungenbläschen werden durch die vom Diesel produzierten Schadstoffe in Mitleidenschaft gezogen. Die erschreckende Bilanz der Weltgesundheitsorganisation WHO: Verkehrsbedingte Partikelemissionen durch Dieselmotoren verursachen in Österreich jährlich 2.411 vorzeitige Todesfälle, 1.470 Krankenhausaufenthalte wegen Atemwegserkrankungen, 2.895 stationäre Behandlungen wegen Herzerkrankungen und 55.000 Asthmaattacken bei Erwachsenen und Kindern.

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Ökobombe Diesel im Visier der Wissenschaft
PLUS: Umweltminister im Kampf gegen die Schadstoffe
PLUS: VW und Renault:Diesel gegen Benziner
PLUS: Was gegen einen Diesel spricht
PLUS: Pkws mit Partikelfiltern

Peter Pelinka

Nationalratswahl 2017

SPÖ: Vorwärts zu den nächsten Fehlern?

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller: "Diesel-Skandal, ein Weckruf"

Wirtschaft

VW-Konzernchef Müller: "Der Diesel-Skandal war ein Weckruf"

Stil

Sterben war gestern: Ist Altern besiegbar wie die Pest?