Wer wird der rote Grasser?

Kommt die SPÖ wieder in die Regierung, hat der jetzige ORF-Finanzchef Alexander Wrabetz beste Chancen, Finanzminister zu werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Molkerei und dem Finanzministerium? SPÖ-Finanzreferent Christoph Matznetter glaubt ihn zu kennen: „In keiner Molkerei sind die, die fürs Packerldesign zuständig sind, dafür verantwortlich, was in die Joghurts hineinkommt. Im Finanzministerium schon: Karl-Heinz Grasser kann zwar seine Politik gut verpacken, aber inhaltlich ist sie eine Katastrophe.“

Nach einer Schrecksekunde von einigen Tagen haben die Roten den Schock, den ihnen Wolfgang Schüssel mit der Überraschungspräsentation Karl-Heinz Grassers als potentiellem Finanzminister bereitet hatte, verdaut: Sie beginnen über Grasser Witze zu machen. Etwas bemühte, aber immerhin.

Kandidaten
Und sie haben endlich eine einheitliche Argumentationslinie gefunden: Grassers Politik sei eine Katastrophe. Und die SP habe viel bessere Leute für den Job des Finanzministers. „Mindestens fünf“, sagt Alfred Gusenbauer.
Tatsächlich verfügen alle, die in den vergangenen Tagen als SP-Personalreserve fürs Finanzressort genannt wurden, über den nötigen Sachverstand. Alexander Wrabetz, der kaufmännische Direktor des ORF, ebenso wie Brigitte Ederer, die ehemalige Wiener Finanzstadträtin, oder Gerhard Draxler, der Ex-ÖBB-Chef und jetzige Boß des Feuerfestkonzerns RHI.

Absage
Die letzteren beiden freilich wollen nicht Finanzminister werden. Ederer, seit eineinhalb Jahren im Vorstand von Siemens Österreich: „Es gefällt mir hier sehr gut.“ Und Draxler hat „2001 einen Fünfjahresvertrag mit der RHI unterschrieben“, den er „auf jeden Fall“ erfüllen werde.
Beide Absagen sind echt. Denn sowohl Draxler als auch Ederer haben handfeste Gründe. Draxler erwartet, wenn es ihm gelingt, die RHI zu sanieren, einen stattlichen Bonus, der sich in (Euro-) Millionen messen wird. Und die frühere EU-Staatssekretärin und Wiener Finanzlandesrätin Ederer verdient bei Siemens locker das doppelte eines Ministergehalts.

Autor: Reinhard Christl

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