Wenn die Kasse 3x klingelt

Das Trio Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt macht der Verkauf ihrer MobilTel steinreich. Zusammen mit der Bawag kassieren sie 850 Mio. Euro Reingewinn.

Mit seiner Unterschrift besiegelte Telekom-Austria-Boss Heinz Sundt am vergangenen Wochenende exklusive Verhandlungen zur Übernahme der bulgarischen MobilTel. Die Telekom Austria (TA) jubelt, weil ihr endlich der längst überfällige Durchbruch in ihrer Mobilfunkexpansion gelang. Die Verkäufer jubeln auch: hinter verschlossenen und dick gepolsterten Türen über den wahrscheinlich besten Deal, der österreichischen Geschäftsleuten je gelang. Noch nie in der neueren Wirtschaftsgeschichte haben Austroinvestoren in so kurzer Zeit so viel Geld mit einem einzigen Coup verdient.

40 Prozent der MobilTel besitzt der Wiener Osthändler Martin Schlaff, 51, je zehn Prozent halten der Unternehmer und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus, 71, sowie der frühere Länderbank-Vorstand Herbert Cordt, 57. Das Trio wird mit dem bulgarischen Handybetreiber die unglaubliche Summe von rund 850 Millionen Euro Reingewinn einfahren. In alter Währung: zirka 11,7 Milliarden Schilling. Das Geld wird die TA
im Oktober 2005 überweisen: 1,1 Milliarden Euro Cash plus Übernahme von dann noch 500 Millionen Euro Schulden ergeben einen Unternehmenswert von 1,6 Milliarden. Schlaff und Co werden die MobilTel zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau 1.400 Tage besessen haben und streifen für jeden dieser Tage runde 600.000 Euro Profit ein. Dagegen nimmt sich selbst der 75-Millionen-Euro-Deal des Industriellen Mirko Kovats bei der VA Tech bescheiden aus.

Im Oktober 2005 wird der Megacoup finalisiert. Herbert Cordt, der Finanzexperte des Eigentümertrios, formuliert zwar zurückhaltend: „Wir haben den ersten Schritt der Reise getan.“ Doch in Wahrheit ist das Geschäft inhaltlich längst unter Dach und Fach. „Noch vor Weihnachten“, kündigt Sundt an, will die TA eine Option auf 100 Prozent der MobilTel erwerben. Danach folgen diverse Prüfungen und Gespräche mit dem bulgarischen Telekom-Regulator. Im Oktober nächsten Jahres wird die Option dann gezogen und der Verkauf formal finalisiert.

Cordt weist auf „die kommenden Wahlen in Bulgarien“ hin, deren Ausgang die TA noch abwarten wolle. Vor allem hat die Konstruktion aber steuerliche Gründe. Die MobilTel-Großaktionäre müssen nach einer Transaktion im Juli 2004 ein Jahr mit dem Verkauf warten, um der Spekulationssteuer auf die Wertsteigerung der Aktien zu entgehen. Sie kassieren ihren märchenhaften Gewinn also auch noch steuerfrei.

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