Wenn am Dienstag die Bundesliga startet, beginnt ein besonderes Duell der Millardäre

In Salzburg wird derzeit viel gehämmert. Seit zwei Wochen schon arbeiten die Bautrupps beinahe rund um die Uhr und ohne Wochenenden an einem neuen Outfit für das an sich ziemlich neue EM-Stadion.

Topmoderne VIP-Logen, neudeutsch Skyboxen genannt, soll es geben, ein neuer Rasen wird verlegt, die neuen weißen Sitze werden herausgerissen und durch blaue und rote ersetzt. Für die Fans soll es neue Würstchenbuden geben und für die Spieler neue Kabinen samt Whirlpool. Schließlich sollen die Fans, wenn sie am 20. Juli das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den burgenländischen Armenhäusler SV Mattersburg erleben dürfen, eines erkennen: Hier wird ab sofort nicht mehr gekleckert, sondern geklotzt, hier residiert ab sofort nicht mehr der SV Austria Salzburg, sondern Red Bull Salzburg. Und das bedeutet vor allem eines: größere Maßstäbe und ganz großes Geld.

Mit dem Einstieg von Dietrich Mateschitz bei Salzburg stößt die österreichische Bundesliga in neue Dimensionen vor. Erstmals wird das Budget aller zehn Bundesliga-Klubs deutlich über der 100-Millionen-Euro-Marke zu liegen kommen. Und schuld daran sind die beiden wohl schillerndsten Milliardäre des Landes: Frank Stronach, der Patron der Wiener Austria – und eben Mateschitz, der neue Fußball-Magnat aus Salzburg.

Die Bundesliga-Saison 2005/2006 wird zu ihrem Duell werden: Mehr als 25 Millionen Euro hat Stronachs Austria zur Verfügung. Mateschitz’ Salzburger haben noch mehr in der Kriegskasse: Gerüchten zufolge soll der Red-Bull-Macher bis zu 35 Millionen Euro in den Klub investiert haben. Alle anderen Bundesliga-Klubs, auch der amtierende Meister Rapid Wien, operieren offiziell mit Budgets hart an der 10-Millionen-Grenze.

Mateschitz selbst bestreitet die geschätzte Budgetsumme zwar – die Größenordnung dürfte aber richtig sein. Allein der tschechische Nationalstürmer Vratislav Lokvenc, zuvor in der deutschen Bundesliga aktiv, kassiert in Salzburg dem Vernehmen nach zwei Millionen Euro im Jahr. „Es ist der beste Vertrag in meiner Karriere“, so Lokvenc. Auch die anderen Neuerwerbungen, mit denen Neo-Salzburg-Coach Kurt Jara arbeiten darf, wie die Ex-Bayern-Stars Alexander Zickler und Thomas Linke, die ehemaligen Italien-Legionäre Alexander Manninger und Markus Schopp, kicken in Salzburg nicht zum Mindestlohn. Und Mateschitz’ oberster Fußball-Berater Franz Beckenbauer ist auch nicht gerade für sein karitatives Engagement im Namen der Dose bekannt.

Schon klar, die alte Fußballerweisheit, wonach Geld keine Tore schießt, gilt zwar auch für die österreichische Bundesliga – kein Geld schießt aber auch keine Tore, und so dürften sich Mateschitz und Stronach den österreichischen Meistertitel wohl untereinander ausmachen.

Doch was treibt die beiden Milliardäre dazu , ihr Geld in Fußball zu investieren? Nach wie vor ist die österreichische Liga nicht unbedingt Weltmarktführer im Fußball, Investitionen im Fußball sind also traditionell eher Geldverbrennung als gut angelegtes und langfristiges Investment. Der Werbewert der Liga ist, seit sie nur noch auf Premiere und ATV+ zu sehen ist, tendenziell eher gesunken. Andreas Rudas, bei Magna Frank Stronachs Stimme und bei Austria sein Vizepräsident, meint dazu, dass es seinem Chef „nicht nur um Werbewerte, sondern auch um eine gesellschaftliche Verantwortung geht. Fußball ist auch in Österreich ein Massensport, und wir haben die Aufgabe, junge Österreicher an den internationalen Top-Fußball heranzuführen.“

Tatsächlich investiert die Austria deshalb nicht nur in die Kampfmannschaft (und in die Abfindungen für geschasste Trainer), sondern auch in Nachwuchszentrenund Stronachs Fußball-Akademie in Hollabrunn.

Bei Red Bull Salzburg liegt die Sache da schon etwas anders. Der gesamte Konzern, der in seinen Anfangsjahren vor allem Extremsportler auf der ganzen Welt gesponsert hat, verlegt sich zunehmens auf Sponsoraktivitäten im breitenwirksamen Publikumssport. Innerhalb eines Jahres hat sich Dietrich Mateschitz ein Formel-1-Team, einen Eishockey-klub und eben eine Fußballmannschaft gekauft. Die Gelder dafür kommen alle aus dem Marketingtopf und sollen über kurz oder lang zu einem höheren Energy-Drink-Absatz führen.

Die Kosten für die Fußballmannschaft sind dabei, so exorbitant sie für österreichische Verhältnisse auch sein mögen, in der Relation zur Formel 1 ein Pappenstiel. Und dass die Salzburger Startruppe in Salzburg einen Fußballboom auslösen wird, darf als gesichert angesehen werden.

Zum ersten Testspiel der Truppe gegen einen Viertligisten kamen vor zwei Wochen 5.000 Fans nach Mondsee. Bereits jetzt hat der Klub 6.000 Saisonkarten verkauft. Mit Saisonstart sollen mehr als 10.000 Dauerkarten für das neue Stadion an den Mann gebracht werden, das wäre in Österreich ein neuer Rekord. Die VIP-Karten und die Skyboxen, eigene 20-Quadratmeter-Logen mit Balkon zum Spielfeld, sind bereits verkauft. Die Skyboxen kosten immerhin 125.000 Euro pro Saison. Gelder, die aber freilich zumindest im ersten Jahr der Umbau des Salzburger Stadions wohl locker auffressen dürfte.

Mit diesen Summen und Zahlen kann Frank Stronach nicht mithalten – noch nicht. In der Heimstätte der Wiener Austria gibt es keine Skyboxen, und der Dauerkartenverkauf orientiert sich eher an den Verhältnissen der zuschauerarmen Admira als an den Salzburger Maßstäben.

Doch Stronach hat hier Großes vor: Er plant nach wie vor ein neues Stadion für seinen Klub im Süden von Wien. Sollte dieses Projekt in Rothneusiedl tatsächlich realisiert werden – Wiens Bürgermeister Michael Häupl ist jedenfalls dafür –, dann könnten auf lange Sicht Stronachs Millionenkicker tatsächlich nur noch werbeleibchentragende Randfiguren werden – und die 100 Millionen Euro, die der Austro-Kanadier bislang in den Klub gesteckt hat, auf Umwegen wieder hereingespielt werden. Das Stadion soll nämlich zu einem Erlebnispark werden, Shoppingtempel und Großraumkino inklusive.

Seitens Red Bull Salzburg gibt es vorerst noch keine derartigen hochtrabenden Pläne, zumal derartige Erweiterungen im Salzburger Stadion auch gar nicht möglich sind.

Sollte Mateschitz tatsächlich mit dem Fußball irgendwann einmal Geld verdienen wollen, dann kann das nur über den Fußball direkt passieren – und zwar über die Qualifikation zur Champions League. Dort warten auf die Klubs Millionen, und tatsächlich hat der Salzburger Kader die Qualität, im kommenden Jahr zumindest in die Champions-League-Quali zu kommen. Dafür müsste Salzburg im kommenden Jahr die Bundesliga als Sieger oder als Zweiter beenden.

Und dann könnten sich die 35 Millionen Euro für Mateschitz durchaus lohnen – auch wieder über den Umweg des Marketings für seine Energy-Drink-Dosen, die dann in Spielerform auf der großen europäischen Bühne für Furore sorgen könnten.

Bis dahin hat Mateschitz aber ein Problem zu bewältigen, mit dem Frank Stronach schon seit Jahren kämpft. Die alteingesessenen Salzburg-Fans lehnen den neuen Großinvestor genauso ab wie die Austria-Fans es bei Frank Stronach tun.

Allein die Umbenennung des Klubs von Austria Salzburg auf Red Bull Salzburg echauffierte einige Fangruppen, und als Mateschitz dann auch noch die Vereinsfarben von Violett auf Rot-Weiß ändern ließ, waren die Hardcore-Fans endgültig auf der Palme.

Beim ersten Testspiel in Mondsee stürmte eine Hundertschaft das Spielfeld und zündete violette Rauchbomben. Szenen, die man zuletzt im Austria-Stadion gesehen hat. Austria-Manager Andreas Rudas hat deswegen einen durchaus ernst gemeinten Ratschlag für Mateschitz: „Fußball ist eine sehr emotionelle Sache. Vor allem Anhänger sind mit Herz bei ihrem Verein, das Management aber ist oft von Rationalität getrieben.“ Nachsatz: „Und da das Gleichgewicht zu erreichen, ist nicht immer leicht.“

Eine der für anhängerstarke Klubs wichtigsten Einnahmequellen wird Salzburg jedenfalls nicht erschließen: das Merchandising. Während bei anderen Klubs in den Fanshops zu Beginn Leibchen und andere Goodies verhökert werden, ist für die Salzburg-Fans derzeit nichts vorgesehen: Ausgerechnet beim Marketinggiganten Red Bull gibt es für die Fans, abgesehen von Kappen, keine Devotionalien zu erstehen. Ob mit Absicht oder aufgrund des Zeitdrucks, ist offen.

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung

Geld

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung

Recht

Bestpreisklauseln: Buchungsplattformen blitzen bei VfGH ab

Wirtschaft

Airbnb: Millionengeschäft für professionelle Investoren