Wem die Stunde schlägt

Der neue Metallerboss Erich Foglar soll den ÖGB aus der Krise retten – und wird sogar als nächster ÖGB-Präsident gehandelt.

Christoph Leitl hatte sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Für sein Hintergrundgespräch am Dienstag beim Nobelwirt Plachutta hatte er ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer zu Tisch gebeten. Kämmerer Leitl wollte damit wohl zeigen, dass er sich mit seinem neuen Gegenüber genauso gut versteht wie mit dessen Vorgänger. Bloß: Aus dem Tritschtratsch bei Tafelspitz mit Apfelkren wurde nichts. Wegen der aktuellen Ereignisse im ÖGB, so Leitl, musste die Veranstaltung abgesagt werden.

Denn nur Stunden zuvor hatte sich im Gewerkschaftsbund die nächste große Umwälzung zugetragen. Rudolf Nürnberger, mächtiger Chef der Metallergewerkschaft und Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, hatte überraschend seinen Rücktritt erklärt. Sein Nachfolger wurde ebenfalls gleich nominiert: Erich Foglar, 50, Gewerkschaftsmitglied seit 1971, Finanzreferent der Metaller und seit wenigen Wochen Finanzchef des gesamten ÖGB.

Nürnberger hatte seinen Rücktritt gewohnt kurz angebunden erklärt: Erstens wäre er sauer auf Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch, zweitens wäre er nicht mehr der Jüngste, und drittens sollen „junge Gesichter“ den ÖGB aus der größten Krise seit der Olah-Affäre führen. Und damit war er weg.

Foglar hat damit ein ziemlich schweres Erbe auf den Schultern. Zwar galt er länger schon als Kronprinz Nürnbergers, eigentlich war mit der Hofübergabe aber erst für nächstes Jahr gerechnet worden. Er muss nun nicht nur versuchen, als eher unbekannter Gewerkschaftsfunktionär einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden, sondern auch dafür sorgen, dass die Metaller weiterhin ein Machtfaktor im ÖGB bleiben. Ob er das schafft? Da sind sich offenbar die Genossen selbst nicht ganz so sicher. „Foglar ist ein lieber Kerl und ein guter Finanzer, aber ob er das Gewicht Nürnbergers übernehmen kann, weiß ich nicht“, sagt etwa Amag-Betriebsratschef Otto Höfl. Und auch voestalpine-Betriebsrat Fritz Sulzbacher kennt Foglar nicht als Machtpolitiker, sondern als „stillen, äußerst disziplinierten Kollegen, der in der Gewerkschaft eher der Innenminister war.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 30. Mai 2017

Der neue Vovlo S90, produziert in China, bereut für den Schienentransport nach Europa.

Auto & Mobilität

Die ersten West-Autos "made in China" treffen ein

Wirtschaft

Ölpreis: Annäherung zwischen OPEC und Schieferöl-Herstellern