Weltverbesserer

Ex-US-Vizepräsident Al Gore bekam nach dem Oscar auch den Friedensnobelpreis. Nach der Wahlniederlage 2000 hatte er eine neue Mission: die Welt retten. Jetzt kommt er nach Österreich.

Nicht einmal der Preisträger selbst erfuhr eine bevorzugte Behandlung: Bis fünf Uhr früh blieb das Telefon stumm, im Fernsehen liefen stattdessen die Weltnachrichten auf CNN. Und so erfuhr Al Gore vergangenen Freitag schließlich spätnachts auf seiner Wohnzimmercouch in seinem Haus in Tennessee von seiner nächsten historischen Auszeichnung: dem Friedensnobelpreis. Um Punkt 11 Uhr Ortszeit teilte das ehrwürdige Komitee in Oslo mit, dass der ehemalige US-Vizepräsident und Oscarpreisträger gemeinsam mit dem UNO-Weltklimarat IPCC in die Reihe der Preisträger aufgenommen wird. Gleich am nächsten Morgen bedankte sich Gore bei einer Pressekonferenz artig für den Preis. Und er kündigte, wie es sich für einen Weltverbesserer gehört, an, seinen Anteil am Preisgeld in der Höhe von 780.000 Dollar an die Organisation Alliance for Climate Protection zu spenden.

Daneben fand Gore Worte, die so gar nicht mehr nach einem Expolitiker mit Comeback-Gelüsten klingen: „Die Welt steht vor dem planetarischen Notfall. Die Klimakrise ist kein politisches Thema, sie ist eine moralische und spirituelle Herausforderung für die ganze Menschheit.“ Und das Seltsame daran ist: Der Al-Gore-Faktor wirkt tatsächlich. Kein anderer Akteur verbindet Medientauglichkeit und Glaubwürdigkeit so perfekt wie Al Gore.

Spätestens am 10. Dezember, wenn Gore den Friedensnobelpreis in Oslo entgegennehmen wird, hat sich dann eine der bemerkenswertesten Metamorphosen der jüngeren Zeitgeschichte vollzogen. Jener Präsidentschaftskandidat, der bei den US-Wahlen 2000 um 500.000 Stimmen mehr als sein republikanischer Herausforderer George W. Bush erhielt, bereits vorschnell zum Sieger ausgerufen wurde und am Ende der Schlacht doch als Verlierer vom Feld ziehen musste; jener Demokrat, den die eigenen Parteifreunde als „Al Bore“ (Al, der Langweiler) verunglimpften; jener Verlierer, der in den Jahren danach an Gewicht und Bartwuchs zulegte und sich aus der Öffentlichkeit zurückzog; dieser Mann wird nun von der Weltgemeinschaft hofiert und gilt als Hoffnungsträger für ein anderes Amerika, als Gegenentwurf zum unilateralen und neokonservativen Kurs der Bush-Regierung.

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