Welt-Wirtschaftsmacht: China kauft ein

Erst Rover, dann IBM: Chinas Konzerne starten mit dem Kauf von Prestigemarken ihren Angriff auf die westlichen Märkte. Die reagieren geschockt.

Der 7. Dezember 2004 wird als Wendepunkt in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Vor einer blauen Wand mit chinesischen Schriftzeichen klopften sich chinesische und amerikanische Manager auf die Schultern: Die einen strahlend lächelnd. Die anderen wirkten etwas nachdenklich. Die chinesische Lenovo hatte die Computersparte von IBM übernommen und damit mehr als den dritten Platz in der Weltrangliste der Computerproduzenten: IBM, Big Blue, ist nicht irgendein Unternehmen. Es war ein Symbol für die Technologievorherrschaft des Westens.

Nur zwei Wochen vorher hatte der chinesische Autoriese Shanghai Automotive Industry beschlossen, Rover zu übernehmen – Sinnbild britischen Automobil-Stils. Davor kaufte TCL das deutsche Traditionsunternehmen Schneider Electronics. Davor Pearl die Klaviertraditionsmarke Rittmüller. Und ein Ende der Übernahmewelle scheint nicht in Sicht: Chinas aufstrebende Konzerne haben beschlossen, sich durch den Kauf von westlichen Prestigemarken Marktzugang, Technologie und Know-how zu verschaffen.

Die westliche Welt reagiert geschockt. Jahrelang bestimmte der gierige Blick auf Konsumentenmassen und Wirtschaftsboom das Bild vom Reich der Mitte. Nun ist schlagartig wieder von der „gelben Gefahr“ die Rede: Hilfe, die Chinesen kommen. Dabei sind die jüngsten Übernahmen zwar spektakulär, aber nicht überraschend. Der globale Siegeszug der Chinesen, dessen erste Schritte hier zu sehen sind, ist gut geplant.

Seit 15 Jahren lockt China mit billigen Arbeitskräften westliche Konzerne ins Land – doch es stellt Bedingungen. Wer produzieren will, muss Wissen dalassen. Bis 1998 durften westliche Firmen nur via Joint Ventures in China einsteigen – so schulten sie die künftige Konkurrenz gründlich ein. Und bis heute ist der Bau von Trainingszentren und Forschungsstätten Bedingung für die Errichtung von Werken. Die Westler folgten dem gerne: Motorola allein unterhält 19 Technologiezentren in China. Nokia, Siemens, Alcatel und Ericsson haben alle Trainingszentren – mit dem Erfolg, dass der chinesische Handyhersteller Haier nun auf den europäischen Markt drängt und ebendiese Unternehmen erzittern lässt. IBM Computer unterrichtete in China 100.000 Softwarespezialisten in der Hoffnung, sie mögen IBM-Computer kaufen. Sie kauften aber gleich die ganze IBM-Sparte.

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