Weinwunder 2006

Jahrhundertjahrgänge sind längst inflationär geworden. Niemand mag mehr so recht daran glauben. Doch nun scheint tatsächlich ein Jahrgang auf den Markt zu kommen, der alles Bisherige übertrifft.

Das eigentümliche Prozedere wiederholt sich von Jahr zu Jahr. Kaum hat die herbstliche Weinlese begonnen, vermeldet irgendeine Zeitung, der heurige Wein sei ein ganz besonderer, ein so genannter Jahrhundertwein. „Ich kann das Wort nicht mehr hören“, sagt Rudi Pichler aus Wösendorf in der Wachau, „so viele Jahrhundertweine wie in den letzten Jahren hat es in hundert Jahren davor nicht gegeben.“
Doch Pichler wird einmal mehr damit leben müssen. Denn obwohl inzwischen selbst der gutgläubigste Weintrinker die jährliche Ausrufung eines Jahrhundertweins nur noch als plumpen Marketingtrick empfindet, steht mit dem 2006er nun tatsächlich ein Jahrgang bevor, der scheinbar alles in den Schatten stellt.

Phantastisches Traubenmaterial. „Was soll ich machen“, windet sich Pichler, „ich hab noch nie so ein phantastisches Traubenmaterial gehabt. Das ist einfach grandios.“ Mit dieser Aussage steht er alles andere als allein da. Von der Südsteiermark über die Wachau, das Kamptal, Wien bis zum Südburgenland, überall die gleichen Jubelgesänge. „Wir haben eine Zuckergradation wie noch nie“, meint Erwin Sabathi aus der Südsteiermark. „Egal ob Cabernet, Merlot oder Zweigelt, da entstehen ganz große, sensationelle Weine“, freut sich Christian Fischer aus Sooß. Und auch Fritz Wieninger aus Wien-Stammersdorf kann es kaum glauben: „So viel Merlot in dieser Qualität, das war meiner Erinnerung nach noch nie da.“

Selbst so notorische Tiefstapler wie Willi Bründlmayer aus Langenlois, bekannt für vorsichtige Analysen, die in ihrer Trockenheit nur noch von seinen Veltlinern übertroffen werden, sehen sich diesmal zu blumiger Wortwahl veranlasst: „Ein Traubenmaterial, wie es besser nicht geht. Ein Geschenk des Himmels.“

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