Was Schüssel will

Die Regierungsverhandlungen sind unterbrochen, das Land steuert auf eine Krise zu. Der ÖVP-Chef spielt seine vermutlich letzte Pokerpartie – mit miesem Blatt.

Wenn am Sonntag, Punkt 15.30 Uhr, im Wiener Weststadion das Kellerduell zwischen Rapid und Austria Wien ange-pfiffen wird, werden die beiden zurzeit prominentesten Fans der beiden Traditionsklubs ihr ganz privates Derby bereits absolviert haben. Am Samstag, so heißt es aus den beiden Parteizentralen, wollen sich Noch-Kanzler Wolfgang Schüssel (stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Austria) und Bald-Kanzler Alfred Gusenbauer (eingetragenes Mitglied bei Rapid) zu ihrem ganz persönlichen Schlagerspiel treffen. Nachdem die beiden Parteichefs sonst seit der Wahl vornehmlich über die Medien Kontakt gehalten hatten, wollen sie nun, unter vier Augen, an einem geheimen Ort und zu einem geheimen Zeitpunkt, besprechen, wie es mit den Regierungsverhandlungen weitergeht.

Dabei ist zurzeit eines völlig offen: Geht es überhaupt weiter? Und noch etwas ist alles andere als klar: Was will ÖVP-Chef Schüssel eigentlich wirklich?

Spätestens seit der mitternächtlichen Entscheidung vom Montag, die Verhandlungen mit der SPÖ vorerst auf Eis zu legen, weiß das niemand so genau. Auch innerhalb der ÖVP sind die Meinungen gespalten. Vor allem der Wirtschaftsflügel glaubt, Schüssels Verhandlungsabbruch sei bloße Taktik, um die SPÖ zu größeren Zugeständnissen zu bewegen. In anderen Parteikreisen dagegen verweist man auf die negative Stimmung gegenüber den Sozialdemokraten. „Unsere Basis will einfach nicht den Juniorpartner geben“, so ein schwarzer Stratege. „Hätte Schüssel mit der SPÖ trotz dieser Brüskierung im Parlament weiterverhandelt, hätte es parteiintern einen Aufstand gegeben.“ In vielen Ministerbüros wurde deshalb bereits Anfang der Woche begonnen, das persönliche Equipment in Kisten zu verpacken. Will Schüssel also tatsächlich nicht mehr verhandeln, oder ist alles, wie schon anno 2000, ein einziger großer Bluff?

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