Was die neuen Bosse bei Palmers planen

Ziemlich erschöpft stieg Stephan Zöchling, 32, am Abend des dieswöchigen Dienstag in das Flugzeug. Nach nächtelangen Verhandlungen gönnte er sich fünf Tage Erholung in Griechenland. Power wird er auch nach seiner Rückkehr nach Wien genug brauchen.

Der Investmentfonds Lead Equities, dessen Boss Zöchling ist, hat seinen ersten wirklich großen Coup gelandet. Gemeinsam mit der deutschen Finanzgesellschaft Quadriga Capital wurde die Wäschehandelskette Palmers für 53 Millionen Euro übernommen. Quadriga hält jetzt 54 Prozent, Lead Equities 36 Prozent und der neue Palmers-Vorstandsvorsitzende Thomas Weber fünf Prozent. Weitere fünf Prozent sind noch für Beteiligungen des Managements reserviert. Zöchling: „Der frühere Palmers-Chef Rudolf Humer ist entgegen Gerüchten nicht mit dabei und wird auch keine Anteile erwerben.“

Neuer Aufsichtsrat nach Kartellgenehmigung. Bis zum Okay der Kartellbehörde – ein reiner Formalakt – wird je ein Vertreter der alten Eigentümerfamilien Palmers, Wilhelm und Humer im Aufsichtsrat sitzen. Interimistisch führt Christian Hausmaninger, der Anwalt von Ex-Palmers-General Rudolf Humer, das Gremium. Danach übernimmt der deutsche Quadriga-Chef Max Römer den Vorsitz, Zöchling wird sein Stellvertreter. Quadriga Capital verfügt über 600 Millionen Euro Fondsvolumen und besitzt in Österreich den Kühlgerätehersteller AHT. In erster Linie soll aber Zöchling, weil er in Wien sitzt, die Interessen der neuen Eigentümer bei Palmers wahrnehmen. Ein anspruchsvoller Job: Der Wäscheriese muss sauber umgekrempelt werden.
Exbanker Stephan Zöchling, in dessen Lead Equities prominente Investoren vertreten sind, betont: „Palmers ist kein Sanierungsfall, eher ein Entstaubungsfall. Die Marke ist nur etwas angestaubt.“ Trotzdem wird Neo-Boss Thomas Weber, 44, der zuletzt Euro-pas größten Wäschekonzern, Schiesser, sanierte, alle Hände voll zu tun haben.
Kern der Strategie: Palmers soll wieder in Richtung Premium-Label positioniert werden. Als einen der Managementfehler analysierten Quadriga und Lead Equities, dass sich die grüne Kette auf eine Preisschlacht einließ, um gegen aggressive Textilriesen wie H&M und Zara anzukämpfen. Allerdings wurde dadurch nicht mehr verkauft. Zöchling: „Stückzahlen und Kunden blieben gleich, die Umsätze fielen.“ Jetzt soll es wieder heißen: hohe Qualität und höhere Preise. Thomas Weber erklärt: „Ich will das Unternehmen dahin führen, wo es herkommt: die erste Adresse für Frauen, aber auch Männer, die Anspruch an ihre Wäsche stellen.“

Gewinn mit zu kleinem Marketingbudget erkauft. Im Geschäftsjahr per Ende Jänner 2004 setzte Palmers 161,5 Millionen Euro um. In den Monaten danach sackten die Umsätze um rund 20 Prozent ab – einer der Hauptgründe, wieso sich die Eigentümerfamilien zum Abstoßen entschlossen. Der Gewinn 2003/04 betrug 5,5 Millionen Euro, nachdem der zurückgetretene Aufsichtsratsboss Paul Tanos im Jahr davor in einer Horrorbilanz alles bereinigt hatte.
Das recht gute Ergebnis wurde allerdings durch massive Reduktion der Marketingausgaben erkauft. Auch hier wollen die neuen Palmers-Herren den Retourgang einlegen, weil Palmers ihrer Ansicht nach nur als Markenartikler eine Chance hat. Das Werbebudget soll den Plänen gemäß von zuletzt lediglich 2,5 auf über fünf Millionen Euro aufgestockt werden.

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