Was Anwälte dürfen ... und was nicht

Die Verhaftung zweier Anwälte im Kriminalfall Libro schockt die Branche: Ein FORMAT-Report über das Risiko des Advokaten, sich zum Komplizen zu machen.

Der erfahrene Wiener Wirtschaftsanwalt Gerhard Eckert nahm den Anruf der Kriminalisten ursprünglich auf die leichte Schulter: Am Montag vergangener Woche um 10.45 Uhr telefonisch über eine bevorstehende Hausdurchsuchung in seiner Kanzlei informiert, verzichtete der 56-jährige Rechtsanwalt auf einen Rechtsbeistand.

Bereits eine Stunde später wurde es in der weitläufigen Kanzlei ziemlich eng. Zehn Kriminalbeamte, flankiert von Staatsanwalt und Untersuchungsrichter, durchsuchten im Zusammenhang mit Ermittlungen zum Kriminalfall Libro die Büros der Advokatur Eckert Löb & Partner.

Gerhard Eckert, der die Hausdurchsuchung noch vor der folgenden, vollkommen überraschenden Verhaftung als „ein Vorgehen und Einschreiten in Wild-West-Manier“ geißelte, war laut einem später angefertigten Vernehmungsprotokoll nur eines wichtig: „Die Anwesenheit eines Vertreters der Rechtsanwaltskammer.“ 

Die Verhängung der Untersuchungshaft über zwei prominente Mitglieder ihrer Zunft schlug ein wie eine Bombe. „Die Hausdurchsuchung war fürchterlich für den Berufsstand“, sagt Anwältin Huberta Gheneff-Fürst.

Unangenehme Häufung. Und der Wiener Wirtschaftsanwalt Gabriel Lansky sorgt sich bereits ernsthaft um den Ruf der gesamten Branche: „Es passiert in letzter Zeit unangenehm häufig, dass Rechtsanwälte oder Notare delinquent werden.“ Die Verhaftung der beiden Rettberg-Anwälte hat unter Advokaten bereits zu einer heftigen Diskussion über die Arbeitsbedingungen geführt. Bewegen sich Anwälte neuerdings tatsächlich immer näher an der Grenze der Legalität? Werden die Rechtsvertreter immer häufiger zu Rechtsbrechern? Sind vertrauliche Dokumente der Klienten im Safe des Anwalts überhaupt noch sicher? Was dürfen Anwälte eigentlich – und vor allem: Was dürfen sie nicht?

Schnelles Geld. Bei Erich Müller hat sich ein Vierteljahrhundert lang alles die Klinke in die Hand gegeben, was im Berufsstand Rang und Namen hat. Müller, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft Wien: „Der Beruf wird immer gefährlicher. Der Druck wird größer, weil es immer mehr Anwälte gibt. Durch den Konkurrenzdruck steigt die Verlockung, ans schnelle Geld zu kommen.“

Tatsächlich hat sich die Anzahl der zugelassenen Rechtsanwälte in den vergangenen 30 Jahren von 2.200 auf 4.494 mehr als verdoppelt. Was erschwerend hinzukommt: Ab dem Frühjahr dürfen, anders als bisher, auch Berufskollegen aus den 14 anderen EU-Mitgliedsländern in Österreich tätig werden.

Seit Jahresbeginn ist in Österreich auch ein Gesetz zur Einschränkung der Geldwäsche in Kraft – mit weit reichenden Konsequenzen: Anwälte müssen bei „begründetem Verdacht“ auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung ihre Klienten beim Innenminister anzeigen – sonst machen sie sich als Mittäter schuldig.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Fall Libro Ein verhängnisvoller Koffer – gefüllt mit heiklen Unterlagen
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