Warum Pröll sen. seine Mehrheit halten wird, den Bund aber Pröll jun. überlässt.

Der SPÖ-Wahlkampf gleicht einer Kampagne gegen den Herztod.

Sein wirkliches Erfolgsgeheimnis verriet Erwin Pröll erst am Ende des Gesprächs mit FORMAT: Er halte nichts davon, Wahlwerbung einige Monate vor der Wahl an ausgelagerte PR-Firmen zu vergeben. Sondern: Auch Werber müssten Teil eines Teams sein, welches permanent, auch abseits von Wahlterminen, gesellschaftliche Trends und deren politische Auswirkungen zu beobachten hätte. Konkret: Pröll sitzt „mindestens einmal im Monat“ in Strategierunden mit seinen engsten Mitarbeitern, dazu einem Demoskopen und einem Werbeprofi zusammen, „das nächste Mal in der Woche nach dem 9. März, um schon die Grundlagen für den nächsten Wahlkampf zu sammeln“.

So sieht der Wahlkampf der niederösterreichischen ÖVP auch aus: extrem geschickt nämlich. Da wird nicht nur sehr viel Geld ausgegeben – mit dem Mariazell- und Stephansdom- Sammler Christian Konrad ist einer der erfahrensten Netzwerker des Landes Chef des Unterstützungskomitees; da wird nicht nur auf einen besonders effizienten Parteiapparat zurückgegriffen, in dieser Machtfülle höchs­tens noch bei den Häuplianern in Wien und den Haiderianern in Kärnten anzutreffen; da wird vor allem seit Jahren mit einer an die besten Zeiten Bruno Kreiskys erinnernden Professionalität Politik betrieben, der auch jene Respekt zollen, die mit der ÖVP sonst herzlich wenig zu tun haben wollen. Sichtbar wird das in Pröll unterstützenden Wahlkampfinseraten: Manfred Deix und Gottfried Helnwein, Karlheinz Hackl und Christian Attersee, Marika Lichter und die Jazz Gitti, Rotraut Perner und Roland Neuwirth, Elfriede Ott und Konstanze Breitebner, Josef Hickersberger und Felix Dvorak, sie alle zählen gemeinhin nicht gerade zu schwarzen Trabanten, viele von ihnen haben auch schon ähnliche Inserate für den Wiener Amtskollegen des Radlbrunners unterzeichnet. Da mögen in beiden Fällen auch handfeste Interessen mitspielen – ein Museum da, ein Festspiel dort –, aber durchgängig eben langfristige Strategie: Pröll sammelt etwa seit einigen Jahren bei seiner Sommerwend-Schiffahrt durch die Wachau Künstler und Wissenschaftler mit internationalem Flair um sich (2006 war dort Waris Dirie sein Ehrengast, die Widerstandskämpferin gegen weibliche Genitalverstümmelung), von denen er fast stolz behauptet, sie würden „niemals“ die ÖVP wählen. Und vom politisch noch ferner stehenden Peter Turrini lässt er sich im freundschaftlichen Streitgespräch aufklären, sein „Sager“ über „artfremde“ Minarette sei historisch belastet – und verwendet diese Terminologie danach auch nicht mehr.

Nun steckt hinter solchen Begegnungen viel politisches Kalkül: So wie Pröll mit einschlägigen Law-and-order-Akzenten (nicht umsonst wurden Ernst Strasser und ein Teil seiner Boys aus dem Innenministerium im Stall der NÖ-VP sozialisiert) den Raum für Rechtsparteien eng machen will, versucht er dies nach links mit liberalen Ansagen gegenüber Künstlern und Intellektuellen zu schaffen. Aber eben auch mit Handlungen: Niederösterreich hat in den letzten Jahren klare Akzente im Kultur- und Wissenschafts­bereich gesetzt, von Krems bis Klosterneuburg, von Wr. Neustadt bis Grafenegg. Und wer die Er­regung konservativer Kernschichtler über das von Pröll geförderte Nitsch-Museum in Mistelbach erlebt hat, weiß auch, dass er dabei notfalls selbst handfeste Konfrontationen nicht scheut. Wenn sie sich rechnen: So hat er auch frühzeitig die Ostöffnung der EU unterstützt, weil wirt­schaft­lich gerade Niederösterreich davon profitiert.

Natürlich kann Pröll auch extrem aufbrausend sein, autori­tär (auch gegenüber widerspenstigen Journalisten), bisweilen populistisch bis an die Grenze der Unseriosität (vor allem ge­genüber der Bundespolitik). Aber eben nicht nur: Bei dem seit 1992 amtierenden Landeshauptmann merkt man, dass er seine Macht immer wieder ausbauen will, um das Land zu verändern. Vor allem: dass ihm Politik Spaß macht. Eine Eigen­schaft, die immer weniger seiner Berufskollegen be­sit­zen. Kein Wunder, dass er am 9. März seine absolute Mehr­heit vermutlich halten kann, vor allem auch angesichts eines sagenhaft unpolitischen Wahlkampfes der SPÖ, deren Plakate aussehen wie Werbesujets für Vorsorgeuntersuchungen gegen den Herztod. Kein Wunder auch, dass sich ihn laut OGM die meisten Wähler als Spitzenkandidaten der ÖVP bei einer Nationalratswahl wünschen. Das wird nicht in Erfüllung gehen: Pröll weiß, wo er seine Stärken voll ausspielen kann und wo weniger. Außerdem gibt es ja auf dieser Ebene auch noch einen nahen Verwandten.

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