Vorzimmer der Macht: Der Chefsekretärinnen-Report

Österreichs neue Chefassistentinnen – eine Gratwanderung zwischen Management, Macht und Mütterlichkeit.

Warnung aus der Vorstandsetage: Wenn Sie sich diese charmanten Damen zum Feind machen, können Sie Ihre Karriere getrost vergessen. Oder einfach als Schafzüchter in die Normandie auswandern. Dann helfen keine langstieligen Rosen mehr, keine sündteuren Bonbonnieren und schon gar keine salbungsvollen Worte. „Bei mir haben weder Überintervenierer noch Geschenkeüberbringer eine Chance“, stellt Ilona Fojtik, die rechte Hand von RZB-Vorstand Karl Sevelda, klar. Und auch Bank-Austria-Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Randa findet für die Laufkundschaft unmissverständliche Worte: „Wer es nicht schafft, an Frau Amberger vorbeizukommen, der hat ein Problem.“

Ilona Fojtik und Susanne Amberger sind stets freundlich im Ton, aber ebenso verbindlich in der Sache. Ihre diplomatische Dauermission: dafür sorgen, dass der Mann hinter der gepolsterten Tür in Ruhe sein Geschäft erledigen kann. Ihr Job: Chefsekretärin.

Die diskrete Macht der Vorzimmer wächst: Die Damen, die noch vor ein paar Jahren als berufsblonde Tippsen in Verruf standen, sind heute autonom agierende Managerinnen. „Kaum ein anderes Berufsbild hat sich in den letzten Jahren so rasant verändert wie jenes der Chefsekretärin“, konstatiert Kommunikationswissenschaftlerin Gabriele Cerwinka, die hauptberuflich Führungsassistentinnen coacht.

Diktat, Blitzstenogramm und Kaffeeaufbrühen waren früher. Im Kommunikationszeitalter bestimmen gezieltes Aufbereiten, Portionieren und Verknappen von Informationen den Assistentinnenalltag. Faustregel: Was die Chefsekretärin nicht erfährt, wird auch der Chef nie erfahren. Und was sie ihm nicht sagen will, braucht er nicht zu erfahren. Meike Schulze, Sekretärin von IBM-Chef Ernst Nonhoff: „Alle Mails, alle Briefe, alle Anrufe, auch die streng vertraulichen, laufen ausnahmslos über mich.“

Doch die Alleinverwaltung des Nachrichtenmonopols beflügelt die Missgunst im mittleren Management. Wer im Vorzimmer abblitzt, hält das Muskelspiel der elegant gewandeten Leibwächterinnen nicht selten für Selbstzweck. Claudia Raimann, Chefsekretärin von Böhler-Uddeholm-Boss Claus Raidl: „Manche glauben, dass man den Vorzimmer-Rottweiler zur reinen Machtdemonstration spielt.“ Doch wessen Jobdescription es ist, dem Chef den Rücken frei zu halten, der müsse nun einmal rigoros filtern, schildert Raimann den ganz alltäglichen Gewissenskonflikt. Christine Gumpoldsberger, Österreich-Sprecherin des europäischen Chefassistentinnen-Netzwerkes EUMA (European Management Assistants): „Viele Kolleginnen leiden massiv unter ihrem Zerberus-Image.“

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PLUS: Die gläserne Chefsekretärin: Ihr Gehaltszettel, ihre Netzwerke, ihre geheimen Wunderwaffen

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