Von der Wissenschaft wird keine Hysterie erzeugt

Der 3. UN-Klimabericht liefert Vorschläge, wie die weitere Erderwärmung gestoppt werden kann. Aber wie viel an der Diskussion ist Panikmache?

Wir tun uns schwer, mit Gefahren oder Risiken umzugehen, deren Ausmaß von unserem derzeitigen Handeln abhängt, die aber erst später eintreten: Wie oft ist dem Schüler bewusst, dass er jetzt anfangen muss zu lernen, will er die Prüfung im nächsten Monat bestehen, und doch schiebt er das Lernen immer weiter hinaus? Leider ist für den Klimawandel ganz Ähnliches charakteristisch: Seine Eintrittswahrscheinlichkeit und der mögliche Schaden sind sehr hoch, der Schaden wird aber erst mit zeitlicher Verzögerung wirklich spürbar. Nach der Kategorisierung der Risiken von Ortwin Renn zählt der Klimawandel damit zum Typ „Kassandra“.

Wie aus der Mythologie bekannt ist, war es der Fluch der Kassandra, dass ihre berechtigten Warnungen nicht ernst genommen wurden, bis es zu spät war. Es ist gut vorstellbar, dass es in Troja Bürger gab, die auf die Warnungen der Kassandra vor dem überdimensionalen Pferd, in dem die griechischen Feinde versteckt waren, mit Hysterie oder mit Panik reagiert haben. Sensationslüsterne Berichterstattung in den Medien kann solche Tendenzen noch verstärken. Aber weder Hysterie noch Panik sind bei der Lösung eines Problems behilflich: Beide verhindern vernünftige, durchdachte Entscheidungen.

Von der Wissenschaft wird keine Hysterie in die Diskussion gebracht: Die IPCC-Berichte oder der Stern-Report etwa sind sachliche, nüchterne Beschreibungen möglicher oder wahrscheinlicher Entwicklungen, deren Konsequenzen und der Möglichkeiten, damit umzugehen.

Für all jene, die – wie Kassandra – verstanden haben, welche Auswirkungen unser derzeitiger Lebensstil auf das Ökosystem Erde hat, geht es darum durchzusetzen, dass Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen werden, bevor der Schaden Ausmaße erreicht, die nicht mehr zu bewältigen sind. Aber wie kann die langfristige Verantwortung aller – politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger, Medien und jedes Einzelnen – in unserer kurzlebigen Zeit geweckt werden?

Brigitte Ederer

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