Vom Stellvertreterkrieg zum großen Krieg

Die Kämpfe zwischen der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz und der israelischen Armee eskalieren. Hunderttausende sind auf der Flucht.

Der Libanon, den die Bibel 75-mal als Symbol der Schönheit nennt, bezahlt wieder die Zeche für den Krieg der anderen. War es im Jahr 1982 die Konfrontation zwischen Israel und der PLO, die das Land ins Chaos stürzte, ist es nun der Konflikt zwischen Israel und dem Iran. Der Iran hat mit der schiitischen Hisbollah-Miliz im Land der 18 Religionen eine wichtige Basis.

Wer hält das Heft in der Hand? Suchte Jerusalem nach dem Anlass, um mittels „Terrorjagd“ den Libanon zu zerstören? Bis Mittwoch starben rund 300 Zivilisten, aber nur zwei Hisbollah-Kämpfer. Alle kriegsrechtlichen Regeln werden verletzt, Flüchtlinge beschossen – aber dies nennt sich Selbstverteidigung mit dem Segen mutloser Politik. Letztere, ob in der Europäischen Union oder in den Vereinten Nationen, wird unglaubwürdig. Die Hisbollah aber muss nicht verlieren, dann hat sie schon gewonnen. Eine alte Faustregel aller Guerillakriege.

Vielleicht diktiert der Iran, der die Führung in der islamischen Welt beansprucht und mit der Vernichtung Israels droht, den Kriegsverlauf. Der Irakkrieg war das Geschenk an den Iran. Der alte Traum des schiitischen Gürtels vom Golf bis ans Mittelmeer rückt näher. Zudem will die Türkei dem kurdischen Treiben im Nordirak nicht länger zusehen. Der Irak zerfällt, der Libanon brennt, Gaza explodiert, und halb Israel sitzt bald im Bunker.

Werden die Vereinigten Staaten und der Iran noch in den Konflikt gezogen? Vor Monaten standen ihre Diplomaten in direktem Kontakt, um die Atomfrage zu lösen. Nun gehen zugleich viele politische Zeitbomben in die Luft. Auch wir in Europa riskieren zwischen Energiekrise und humanitärem Drama in die Konfrontation zu laufen, in der religiöse Loyalität höher wiegen könnte als jene der Staatsbürgerschaft. Der Libanon ist heute Schauplatz eines Kampfes zwischen der so genannten islamischen Gemeinschaft und den Sicherheitsinteressen des Staates Israel.

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