Vogelgrippe: Geschäft mit der Angst

Die weltweite Vogelgrippe-Panik lässt beim Schweizer Pharmakonzern Roche, Hersteller des Grippemittels Tamiflu, die Kassen ordentlich klingeln.

Rundum zufriedene Gesichter gab es, als der Schweizer Pharmakonzern Roche vergangenen Mittwoch seine Verkaufszahlen nach dem dritten Quartal 2005 präsentierte. Konzernchef Franz Humer, gebürtiger Salzburger mit Schweizer Pass, konnte verkünden, Roche habe mit einem Plus von 22 Prozent beim Pharmaumsatz das weltweite Wachstum in dieser ohnehin boomenden Branche um mehr als das Dreifache übertroffen. Als absoluter Highflyer entpuppte sich – wenig überraschend – das Grippemittel Tamiflu: Dessen Verkaufserlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 200 Prozent. Insgesamt wird Tamiflu dem Roche-Konzern heuer voraussichtlich 1,2 Milliarden Schweizer Franken Umsatz bringen.

Dass die Grippepille seit einigen Wochen buchstäblich in aller Munde ist, verdankt Roche der ungeheuren öffentlichen Aufregung um die Ausbreitung der Vogelgrippe. Je näher sich diese Tierseuche in den letzten Monaten von Ostasien in Richtung Europa vorarbeitete, desto mehr durch entsprechende Schlagzeilen aufgeschreckte Konsumenten deckten sich mit dem offenbar einzig wirksamen Mittel gegen die scheinbar unabwendbare Gefahr ein.

„Wir verkaufen heuer sicher zehnmal so viel Tamiflu wie voriges Jahr“, berichtet eine heimische Apothekerin. Dabei muss man derzeit für eine Packung mit zehn Tabletten des rezeptpflichtigen Medikaments 44,10 Euro auf den Tisch legen. Erst wenn tatsächlich eine Grippeepidemie ausbricht – es muss nicht die Vogelgrippe sein –, zahlt die Krankenkasse. Dann wäre Tamiflu um die Rezeptgebühr von 4,45 Euro zu haben.

In „normalen“ Jahren beziffert Roche-Austria-Chef Martin Hangarter den Tamiflu-Verkauf in Österreich auf 30.000 bis 40.000 Packungen. Dieser Wert wird heuer sicher um ein Vielfaches übertroffen. Wie schon einmal, Ende August, sind auch derzeit wieder viele Apotheken ausverkauft. Der Großhandel hat wegen der Hamsterkäufe Lieferschwierigkeiten. „Die nächste Lieferung ist für Dezember angekündigt, rechtzeitig genug vor der Grippewelle, die meist nicht vor Jänner ausbricht“, beruhigt eine Pharmazeutin.

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