Voest: Struzl vor Einigung mit der ÖIAG

Der Voest-Chef nimmt nun doch seinen Abschied: Ein Rücktritt Anfang 2004 bringt ihm rund 1,8 Millionen.

Franz Struzls Nervenkostüm erweist sich als ebenso robust wie Voest-Stahl: Seit Wochen auf Tauchstation, zeichnet sich für den über ein Insidergeschäft gestolperten Voest-General im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung am Montag nun eine Einigung ab. Und Struzl wird eine millionenschwere Abfindungszahlung erhalten.

Hinter den Kulissen herrschte in den vergangenen zehn Tagen freilich dicke Luft: Auf Druck von Finanzminister Karl-Heinz Grasser und ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel hatte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis recht rüde mitgeteilt, Struzl solle bei seinem Abgang keinen müden Cent kriegen. Dessen empörte Reaktion: Er schaltete seinerseits auf stur und ließ durchblicken, in diesem Falle den bereits für Anfang 2004 in Aussicht gestellten Rückzug noch einmal zu revidieren.

Rudolf Streicher hat sich für Struzl exponiert. Unterfüttert wurde Struzls Liebäugeln mit dem Rücktritt vom Rücktritt durch prominente Exponenten, darunter Voest-Großaktionär Ludwig Scharinger, Chef von Raiffeisen Oberösterreich (FORMAT 38/03). Voest-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher wiederum trat offensiv gegen die ÖIAG auf und machte klar, dass man Struzl nicht einfach ohne Abfindung in die Wüste schicken könne.

Das wichtigste Argument Streichers, der nun bis zur Aufsichtsratssitzung am Montag gemeinsam mit ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch die Modalitäten für das Ausscheiden des Voest-Chefs ausarbeitet: Franz Struzl verfügt über eine starke Verhandlungsposition. Einen Prozess vor dem Arbeitsgericht hätte er laut Insidern jederzeit gewonnen.

Abgang im Jänner oder im März 2004. Seinen Wunsch, dass Struzl sofort geht, wird Streicher jedoch gegenüber dem Topmanager und im Voest-Aufsichtsrat vermutlich nicht durchsetzen. Dort ist die Mehrheit für eine geordnete Übergabe an Nachfolger Wolfgang Eder und damit gegen einen Abschied von Struzl schon nächste Woche. Die wahrscheinlichste Variante: Der Vertrag des Voest-Chefs wird per Ende März 2004 aufgelöst, und Struzl geht bereits im Jänner, weil er noch 50 Tage Urlaub hat. Oder er bleibt sogar ein paar Monate länger.

In den Ruhestand wird der 61-jährige Manager in jedem Fall um die 1,8 Millionen Euro mitnehmen dürfen. Franz Struzl kann pro Jahr inklusive 100 Prozent Bonus maximal 920.000 Euro brutto verdienen. Bei einer zweijährigen Restlaufzeit seines Vertrags bis Mitte 2006 plus der Abfertigung von einem Jahresgrundgehalt (460.000 Euro) ergibt das rund 2,3 Millionen Euro. Verzichtet Struzl freiwillig auf rund 20 Prozent, wie er das zuletzt in den Verhandlungen andeutete, bleiben ihm 1,8 Millionen brutto übrig.

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