Verstehe den Zorn vieler Mediziner-kollegen

Zwei Topmediziner sorgten mit ihrem medialen Werbefeldzug für ein „Wundermittel“ gegen Krebs für Aufregung. Einer von ihnen, Johannes Huber, stellt sich Kritikern.

Nach der Erfahrung der vergangenen Wochen und der anhaltenden Diskussion um meine Person möchte ich einleitend festhalten: Man lernt aus den Fehlern. Das heißt im aktuellen Fall, dass jede Laieninformation über nicht wissenschaftliche Medien den Keim der Selbstdarstellung in sich trägt.

Aus diesem Grund aber gleich gänzlich auf die Vermittlung medizinischen Fortschritts in der Laien-Presse zu verzichten, wäre auch nicht von Vorteil.

Ich muss zugeben, dass es wahrscheinlich auf die Balance ankommt. In Europa haben sich in den vergangenen Jahren – was diesen Sachverhalt betrifft – zwei unterschiedliche Kommunikationskulturen entwickelt: zum einen der angelsächsische Zugang, bei dem es selbstverständlich ist, dass akademische Lehrer auch in Laienmedien schreiben und vor Laienpublikum Vorträge halten. In der kontinentalen Kommunikationskultur hingegen ist man diesbezüglich eher zurückhaltend.

Persönlich tendiere ich seit kurzem zur kontinentalen Tradition, da die Gefahren, die mit der Darstellung medizinischer Sachverhalte verbunden sind, nicht zu unterschätzen sind:
Diese Gefahren beginnen etwa damit, dass Layout und Überschriften, die Redakteure in Eigenregie für den Artikel entwerfen, für den Interviewten nicht zu überprüfen sind. Dadurch entsteht – wie auch in diesem aktuellen Fall – oft Plakatives in einer Form, wie es nicht sein dürfte.

Diese Gefahr setzt sich insoweit fort, dass viele der dargestellten Inhalte oft nur monochromatisch gelesen und so auch verstanden werden, was wiederum zur Entstehung falscher Hoffnungen bei Krebspatienten und deren Angehörigen führen kann. Und diese Gefahr endet schließlich beim Unbehagen und Zorn vieler Medizinerkollegen, was man auch verstehen muss.

Peter Pelinka

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