US-Wahl: Das Kopf an Kopf Rennen

Die US-Vorwahlen sind unentschieden wie nie: Die Demokraten Hillary Clinton und Barack Obama liegen gleichauf, John McCain hat die Tücher noch nicht im Trockenen. Der weitere Weg zur Wahl.

Als die Kandidaten der US-­Vorwahlen nach dem Super Tuesday, an dem in über 20 Staaten Vorwahlen stattfanden, die Rednerpulte erklommen, wa­ren klare Worte schwer zu finden. Nur John McCain wagte, sich als Sieger zu deklarieren – und das in ungewohnt vorsichtigen Worten. „Heute Nacht müssen wir uns wohl daran gewöhnen, dass ich der Favorit der Republikaner bin“, meinte er fast erstaunt zu seinen Fans, die Schilder wie „Mütter für McCain“ und „Veteranen für McCain“ wedelten. Und bremste gleich die Euphorie: „Es liegt ein langer Weg vor uns.“

Selten war nach einem Super Tuesday, an dem in knapp zwei Dutzend Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden, die Lage so unklar wie diesmal. Bei den Republikanern liegt McCain zwar klar in Führung und hat bereits mehr als doppelt so viele Delegiertenstimmen wie sein Verfolger Mitt Romney. Doch gewonnen hat er noch nicht: Alle drei Kandidaten sind noch im Rennen, und der dritte von ihnen, der evangelikale Prediger John Huckabee, fuhr mit fast leeren Kassen und ohne Machtbasis in der Partei einen erstaunlichen Erfolg ein. Bei den Demokraten ist das Rennen hingegen ganz offen: Hillary Clinton, noch vor ein paar Monaten unbestrittene Nummer eins, musste sich die Stimmen fast eins zu eins mit Barack Obama teilen. Der gewann in 13 Staaten, Clinton in neun – nun liegt sie nur mehr weniger als 100 Delegiertenstimmen vor ihrem Konkurrenten. Das Rennen geht also ungebremst weiter. Auf die müden Kandidaten warten bis nächs­ten Dienstag sieben weitere Vorwahlen, eine Woche später stehen wieder drei an.

Obama kann dabei auf einer Welle schwimmen, die ihn in wenigen Monaten vom No-Name zur ernst zu nehmenden Präsidentschaftshoffnung gespült hat: In seinen Reden predigt er, fast einem Messias gleich, so glaubhaft von Wandel, Zukunft und einer besseren Welt, dass er immer mehr prominente Demokraten von der spröden Hillary abziehen konnte. Während diese die Gesundheitsreform erklärt, alle Details der Steuerreform im Kopf hat und auf ihre Erfahrung pocht, verzichtet Obama auf schnöde Details und setzt sich dafür in seinen Reden in eine Reihe mit Martin Luther King, der Mondlandung, der Sklavenbefreiung und den Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht. Und er ist sich auch nicht zu schade, vom Weg ins Gelobte Land zu sprechen. Zusammen mit seiner beispiellosen Aufholjagd, mit der er schon als Person den angeschlagenen amerikanischen Traum verkörpert, zieht das bei den Wählern: Am Super Tuesday bekam er schon fast gleich viele Stimmen wie Hillary Clinton – und er liegt bei den ge­wählten Delegierten nur vier hinter ihr.

Doch insgesamt liegt Clinton nach wie vor an der Spitze – und nach ein paar freundlicheren Wahlkampftagen werden die Samthandschuhe nun ausgezogen. Schon in den ersten Stunden nach dem Super Tuesday, während die Obama-Kampagnenhelfer noch ostentativ taumelnd vor Glück die 13 gewonnenen Staaten feierten, fanden sich auf ihrer Homepage schon frische hässliche Details über Obamas politisches Vorleben, ausgegraben von der „New York Times“, die sich für Clinton entschieden hat. Und in diesem Ton dürfte es weitergehen: Clinton weiß, wie man Macht behält, und noch besser weiß es ihr Mann, der sich schon bisher wenig fein in die Schlacht für seine Frau geworfen hat. Die Republikaner können sich in den nächsten Wochen entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, welche Munition ihnen die beiden Lager über den späteren Konkurrenten liefern.

Auch die Fokussierung der demo­kratischen Vorwahlkämpfe auf „erster Schwarzer“ und „erste Frau“ tut den Demokraten für die nachfolgende Wahl wenig Gutes. Derzeit hilft es noch: Hillary Clinton liegt bei Frauen weit vorn – weiße Männer hingegen entschieden sich etwa in Kalifornien schon mehrheitlich für Obama, und das unter Demokraten. Für Clintons Chancen bei männlichen Republikanern lässt das nichts Gutes erahnen. Ähnlich geht es Obama: Je mehr er seine afroamerikanischen Wurzeln betont – und damit bei Schwarzen abräumt –, umso schlechter sind seine Chancen später bei den Unentschiedenen und den Republikanern. Obama achtet deshalb sorgsam darauf, sich als Kandidat für alle zu präsentieren und nicht als „erster Schwarzer“.

Denn das könnte auch seine Chancen gegen John McCain schmälern – und bei den zukünftigen Vorwahlen wird diese Frage mitentscheidend sein: Wer kann gegen den Republikaner siegen? Hillary Clinton ist zwar weniger anfällig dafür, von John McCain eines Mangels an Er­fahrung bezichtigt zu werden, verliert da­mit aber zugleich ihr wichtigstes Argument im bisherigen Wahlkampf: Denn der Erfahrenere ist hier eindeutig der 71-jährige Vietnamveteran. Außerdem gilt für Hillary der Spruch „love her or hate her“. Republikaner tendieren zu Letzterem – und Hillary hassende Demokraten dürften wenig Probleme damit haben, den liberalen McCain ins Weiße Haus zu wählen.

Obama hat damit für die kommenden 27 Vorwahlen ein Argument auf seiner Seite. Er wirbt offensiv mit übergelau­fenen Republikanern, um sich politisch ins Zentrum zu rücken, und lobt gar den Gottseibeiuns der Demokraten, Ronald Reagan, für dessen „einnehmende“ Wahlkampfstrategie.

Am Ende könnte es aber sein, dass die Parteigranden selbst entscheiden – und das für Clinton tun. Denn anders als das die aufwendigen Verfahren suggerieren, wird der Kandidat der Demokraten nicht nur durch die Vorwahlen bestimmt: Beim Parteikongress im August stimmen auch etwa 800 sogenannte Superdelegierte mit, die nicht gewählt werden – darunter etwa Kongressmitglieder, frühere Präsidenten und Vizepräsidenten und andere Parteigranden. Sie stellen ein Fünftel der Stimmen auf dem Kongress. Geht das Rennen knapp aus, werden sie das Zünglein an der Waage sein. Schon weil viele davon in der Clinton-Ära groß geworden sind, hat Hillary unter den Superdelegierten einen beträchtlichen Vorsprung vor Obama. Aber fast 500 sind noch zu haben. Dieses System erklärt, warum der Wechsel von Ted Kennedy zu Obama so folgenreich ist: Er könnte mit seiner Machtbasis in der Partei den Clintons Dutzende Superdelegierte abspenstig machen. Der Kennedy-Clan ist ob dieser Frage tief gespalten. „Wenn es auf die Superdelegierten ankommt, vertraue ich darauf, dass sie unseren Vorsprung in den Wahlen anerkennen“ sagt Barack Obama dazu auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Das wird ein schmutziger Parteitag“, reagiert ein Kommentator auf CNN mit Schadenfreude.

John McCain hat es da vergleichsweise einfach. Die überraschenden Erfolge des finanziell schlecht ausgestatteten John Huckabee am Super Tuesday machten aber deutlich: McCain ist echten Konservativen bei weitem zu liberal. Das zwingt den 71-Jährigen nun zu einem gewagten Spagat: Er muss einerseits, um die Vorwahlen noch glatt zu gewinnen, konser­vative Werte verbreiten – und tat das seit dem Vorwahltag schon fast litaneimäßig. „Ich bin ein Konservativer, weil ich eine schlanke Regierung will. Ich bin ein Konservativer, weil ich niedrige Steuern will. Ich bin ein Konservativer, und das sage nicht nur ich“, betete er am Mittwoch vor Anhängern herunter.

Andererseits muss er weiter zeigen, dass er für die Mitte wählbar ist und den aufholenden Demokraten Stimmen wegnehmen kann. Auch wenn der Kandidat Barack Obama heißt. Für das superkonservative Aushängeschild Ann Coulter, die mit dem Buch „Wenn Demokraten Hirn hätten, wären sie Republikaner“ bekannt wurde, ist McCain jedenfalls bei weitem zu liberal: „Wenn er der Kandidat ist, wähle ich Hillary – nein, ich mache sogar eine Kampagne für sie. Sie ist bei weitem konservativer“, verkündete sie in Fernseh-Talkshows. Wer Freunde wie Ann Coulter hat – der braucht keine Feinde mehr.

Von Corinna Milborn

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