Trends: Kaufen Sie Spitzenwerke von Etablierten

Interessierte Sammler, volle Auktionshäuser, engagierte Galeristen, eine neue, spannende Generation von Künstlern und eine kaum überschaubare Vielfalt an Preisen und Stilen: Der Kunstmarkt floriert – trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten.

Zur Orientierung für Investoren und als Seismograph für aktuelle Strömungen und mögliche Preisspannen am Kunstmarkt bat FORMAT auch heuer wieder eine Expertenriege – bestehend aus Museumsdirektoren, Galeristen, Sammlern und Kuratoren – um ein Ranking der heimischen Künstler nach ihrer künstlerischen Bedeutung, dem kommerziellen Erfolg und ihrem Zukunftspotenzial.
Das Ergebnis können Sie im beigelegten „Kunst-Guide 2004“ nachlesen. Wobei für Anleger vor allem die Spanne zwischen hohem künstlerischem Wert und – noch – niedrigem kommerziellem Erfolg der Künstler von Interesse ist. Denn je größer die Spanne, desto kalkulierbarer die Wertsteigerung.

Im Match der großen „Player“ siegte heuer Österreichs Grande Dame der Malerei, Maria Lassnig. Die 85-Jährige, die erst in den letzten 15 Jahren zu adäquatem Erfolg und guten Preisen fand, verdrängte damit den internationalen Superstar und Vorjahressieger Franz West auf Platz 2: Der Exzentriker kam mit seinen jüngsten Arbeiten sogar auf das Cover des US-Kunstmagazins „Art in America“.

Nitsch und Attersee als Blue Chips. Ganz stark: Gleich zwei Plätze rückte der Stillste der Aktionisten, Günter Brus, auf. Er schaffte es nach einem regen Ausstellungsjahr bei „Graz 2003“ und in der Albertina auf Platz 3. Das verdeutlicht die sich derzeit abzeichnende Tendenz, dass sich die etablierten Namen wie Alfred Hrdlicka, Hermann Nitsch oder Christian Ludwig Attersee jene Plätze zurückerobern, die noch im vergangenen Jahr die Shooting Stars der Thirtysomething-Generation aufmischten. Durch die Kontinuität in der Marktpräsenz und solide erarbeiteten Status gelten die Habitués gerade in Zeiten der Rezession als Blue Chips – also als sichere Anlagetipps, die, wenn schon keine große Gewinnspanne, so doch Wertbestand garantieren.

Run auf junge Kunst und kleine Preise. „Es gab noch nie ein so starkes Interesse an jüngerer Kunst wie heute“, kontert Österreichs Stargalerist Thaddaeus Ropac. Während Euro-Galeristen-Präsident Ernst Hilger vermittelt: „Der österreichische Markt ist derzeit von großem Optimismus geprägt. Zwar ist die Lust am Neuen erheblicher als noch vor zehn Jahren. Das darf man aber keineswegs abgekoppelt von der wirtschaftlichen Lage sehen: Spitzenkunst wird immer erfolgreicher, während das Mittelfeld wegbricht – auf der anderen Seite ist die ganz junge, weil preiswerte Kunst stark nachgefragt.“

Denn, so Hilger weiter, „all die zukunftsversprechenden, gehypten Namen der letzten Jahre haben innerhalb kürzester Zeit Preise erlangt, bei denen man sich einen Kauf schon lange überlegen muss. Die ganz frischen Positionen dagegen kann man bereits um 300 Euro erwerben. Und Kunstkauf muss ja auch Spaß machen.“

„Wie im Supermarkt herrscht auch am Kunstmarkt Nachfrage nach Frischgemüse“, bringt Christian Meyer den aktuellen Trend auf den Punkt. Er rät zudem, besser drei qualitätsvolle Arbeiten junger Künstler mit Potenzial zu kaufen als eine zweitrangige Arbeit von einem erstrangigen Routinier. Der Wiener Galerist von Franz West ist auf junge Positionen wie die Künstler-Boygroup Gelatin (Platz 22 im FORMAT-Ranking) – die im vergangenen Sommer mit ihrer provokanten Penis-Installation Salzburg aufmischte – spezialisiert und empfiehlt Anlegern, sich rechtzeitig zu informieren, um günstig einzusteigen. Denn: „Die heutige Künstlergeneration an Selbstdarstellern und Vermarktern gelangt schnell zu Reife und hohen Preisen.“

Netzwerke der Künstler. Qualität ist dabei schwer zu definieren. Zur Orientierung dient das Netzwerk des jeweiligen Künstlers: Welche Galerie vertritt ihn, welche Museen haben Interesse an seinem Œuvre? Wie hoch ist der Produktionsfaktor? All das, so Meyer, trägt zur „Marktability“ bei. „Es gibt viele arrivierte konzeptuelle Künstler, die in allen wichtigen Sammlungen vertreten sind, aber vom marktläufigen Kunden nicht gekauft werden. Andere wie etwa Attersee – er stieg durch hohe kommerzielle Wertung von Platz 29 auf 25 – verkaufen sich gut, spielen aber eine geringere Rolle im internationalen Diskurs.“
Wesentlich sei auch, so Miryam Charim, wie der internationale Markt reagiert. So hat etwa das anhaltende Interesse amerikanischer Sammler am frühen Wiener Aktionismus den Preis für museale Arbeiten von Günter Brus, Otto Muehl und Hermann Nitsch in die Höhe getrieben. „Die Werke sind zwar schon teuer, werden aber noch weiter steigen“, ist sich die Wiener Galeristin sicher. In den USA kostet Nitsch bereits jetzt rund ein Drittel mehr als in Österreich.

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