Transparenz muss für alle Finanztransaktionen gelten

„Alles, was im Banken- geschäft verboten war, war in den unregulierten Nebenmärkten erlaubt.“

Ein halbes Jahrzehnt lang haben sich die Banken intensiv auf das strenge Regelwerk von Basel II vorbereitet, um dem Finanzsystem mehr Transparenz und Sicherheit zu geben. Ausgerechnet im Jahr seiner finanztechnisch gesehen durchaus erfolgreichen Einführung ­stehen wir nun mitten in einer tief greifenden Vertrauenskrise des Finanz­systems. Operation gelungen, Patient angeschlagen. Gründlicher hätte diese von ihren Intentionen her achtenswerte regulatorische Großanstrengung ihre Ziele wohl nicht verfehlen können. Während nämlich das Wirken der Banken durch und durch röntgenisiert wird, baute sich in den letzten Jahren außerhalb des Bankensystems ein rasant wachsender Markt für unkontrollierte Finanztransaktionen in Hedgefonds und immer schwerer durchschaubaren Investitionsvehikeln auf. Alles, was im streng bewachten Gehege des Bankgeschäftes verboten war, war in der Wildnis der unregulierten Nebenmärkte erlaubt. Niemand fragte dort nach Mindestquoten an Eigenmitteln, ordentlicher Fristen- und Risikotransformation oder nachhaltiger Liquiditätssicherung. Die Ratingagenturen verteilten allzu bereitwillig Gütesiegel für weltweit übertragbare Wertpapiere, in denen Risiken aller Art gebündelt und weitergehandelt wurden.

Heute wird klar, dass das Thema Transparenz für alle Finanztransaktionen gelten muss, nicht nur für jene der Banken in ihrem Kerngeschäft. Es wäre aber zu kurz gegriffen, nur die Transparenz zu erhöhen. Der „Clash of financial cultures“ zwischen der angloamerikanischen und der europäischen Finanzierungskultur ist bis heute finanzmarktpolitisch nicht ver­arbeitet worden. Das gilt erstens für die im Boom wie in der Krise fatalerweise prozyklisch wirkenden Bilanzierungs­systeme. Zweitens für die sklavische Orientierung an Marktwerten. Und drittens für die weitgehend unkontrolliert arbeitenden Ratingagenturen mit ihren teuren Oligopolen. Deshalb müssen, wenn alle Karten auf dem Tisch liegen, im nächsten Schritt die Spielregeln der globalen Finanzwirtschaft gründlich erneuert werden.

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