Tourismus: Größenwahn am Ozean

Das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Liberty of the Seas“, ist das neue Aushängeschild der Branche und eine clevere Cash-Maschine.

Da verschlug es sogar den Hafenarbeitern im britischen Southampton die Sprache, als Anfang dieser Woche das weltgrößte Kreuzfahrtschiff, die „Liberty of the Seas“, vor Anker ging und sich der Öffentlichkeit präsentierte. Wie ein Monument aus Fenstern und Balkonen ragte der Luxusliner aus dem Meer. Der Eiffelturm ließe sich quer darauf legen, und es blieben immer noch vierzig Meter über. Von der Wasserlinie bis zum Rauchfang ist der Megakahn höher als zwei Freiheitsstatuen. FORMAT war beim Lokalaugenschein dabei.

Mit dem auf mehr als 4.300 Urlauber ausgelegten Gefährt – die Titanic fasste nur halb so viele Gäste – läutet der US-Konzern Royal Caribbean International (RCI) eine neue Ära der Kreuzfahrtbranche ein. Bis 2010 lassen die Reedereigesellschaften jedes Jahr neun neue Riesenschiffe vom Stapel laufen. In Europa, wo die meisten Menschenfrachter, etwa in finnischen Werften, gebaut werden, hängen schon 180.000 Jobs an der Branche.

Die Liberty ist geradezu symptomatisch für die Entwicklung der Schiffahrtsindustrie. Der Ozeanriese wird in Serie produziert, um die Nachfrage abzudecken. Weltweit hat sich die Zahl der Kreuzfahrtgäste in zehn Jahren auf fünfzehn Millionen verdoppelt. Triebfeder des Booms: Die Amerikaner, die nach 9/11 Flugreisen durch Kreuzfahrten ersetzten.
Dementsprechend ist auch die Liberty, die ab 19. Mai von Miami aus in einer Endlosschleife durch die Karibik kreuzt, durch und durch amerikanisch. Etwa bei den Sicherheitsvorkehrungen, denn an Bord zu kommen ist so langwierig wie das Einchecken am New Yorker Airport. Immerhin gelingt es den Girls am Empfang, die Tortur mit fröhlichem US-Verkäuferlächeln gekonnt zu übertünchen.

Einmal am Schiff, gilt das Motto: Hollywood auf hoher See. An den lachsfarbenen Gängen der Decks hängen Ausschnitte von Blockbusterfilmen wie „Star Wars“, ein Theater im Bauch verfügt über 1.400 Plätze und bietet abendfüllende Shows mit Broadway-reifen Gesangs- einlagen. Die Shopping Mall, länger als ein Fußballfeld, offeriert zahlreiche Möglichkeiten, Geld auszugeben – vom Modeladen bis zum Irish Pub. Im Casino stehen 300 wimmernde Spielautomaten.

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