Tote Leitung: Zoff um Telekom-Verkauf

2004 wird für die Telekom Austria heiß: Streitpunkte sind ein mögliches Holdingmodell, die Idee des getrennten Mobilkom-Verkaufs und die Totalprivatisierung.

Eine Portion Sarkasmus kann sich Telekom-Chef Heinz Sundt, 56, nicht verkneifen: „Ich bin überrascht, dass offenbar fix beschlossen ist, uns komplett zu verkaufen. Im Regierungsprogramm steht nämlich ausdrücklich nur: bis zu 100 Prozent.“ Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte zu Wochenbeginn dem Sundt-Vorschlag, der Staat solle 25 Prozent an der Telekom Austria (TA) behalten, eine Absage erteilt und auf „einen hundertprozentigen Privatisierungsauftrag an die ÖIAG“ verwiesen. Mit klaren Worten: „Wir behalten nichts.“

Der TA-General hält dagegen: „Teile unserer Gruppe zählen zur Infrastruktur des Landes. Es geht darum, wie weit der Staat dafür Verantwortung übernimmt. Er tut das ja bei Strom, Wasser oder Bahn auch. Meine Empfehlung an den Minister, die Sperrminorität nicht aufzugeben, erfolgt ohne jede politische Religion.“

Die Idee, die Mobilkom zuerst getrennt zu verkaufen, ist wieder aktuell. Der Telekom steht ein heißes Jahr 2004 bevor. Die handfeste Auseinandersetzung zwischen Sundt und Grasser ist nur ein Vorgeplänkel. Auch an anderen Fronten geht es turbulent zu. Die Idee der Staatsholding ÖIAG, die Handygesellschaft A1 Mobilkom möglicherweise separat zu verkaufen, sorgt für erhebliche Misstöne. Im TA-Vorstand herrschen Meinungsverschiedenheiten über die künftige Struktur des Konzerns. Die Positionskämpfe für die im April 2005 auslaufenden Vorstandsverträge beginnen bereits. Die Kommunikation zwischen den Topmanagern sowie zum Haupteigentümer ÖIAG ist gestört – die Leitungen sind oft tot. Und: Am 22. Jänner endet die Sperrfrist für die Telecom Italia, die ihren 14,8-prozentigen Restanteil an der TA danach sehr schnell auf den Markt werfen wird.

Die Sanierung der Telekom Austria ist auf einem guten Weg, von eitel Wonne allerdings ist keine Spur. Einer der Knackpunkte: ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis denkt über den raschen Verkauf der hochprofitablen Handytochter Mobilkom nach. Der Finanzminister sitzt ihm im Nacken und will Privatisierungserlöse sehen. Ein Verkauf der gesamten Telekom-Gruppe über die Börse würde Jahre dauern. A1 Mobilkom ließe sich über Nacht veräußern. Mobilfunk-Weltmarktführer Vodafone, mit dem A1 bereits eine strategische Partnerschaft hat, würde sofort zuschlagen. „Auch die Zustimmung der Sozialdemokraten wäre für diese Variante leichter zu kriegen“, sagt ein Politinsider.

Damit im Zusammenhang überlegt die Staatsholding, die 47,2 Prozent an der TA hält, sogar ein neues Eigentümermodell: die Mobilkom als direkte Tochter der ÖIAG. Priorität habe das nicht, verlautet aus der staatlichen Beteiligungsagentur. Eine getrennte Privatisierung wäre auf diese Weise jedoch am leichtesten abzuwickeln.

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Umstrittene Planspiele
PLUS: Bei MobilTel muss TA auf zweite Chance hoffen

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Standpunkte

Ohne Bildung keine Algorithmen

Kommentar

Nationalratswahl 2017

Wahlkampf ohne Standort-Vision