Top-Aktien: Schnelles Geld mit Übernahmen

An der Wiener Börse grassiert das Take-over-Fieber. Nicht nur bei Privatisierungen bieten sich Anlegern spannende Chancen.

Die Aktionäre des Brauriesen BBAG werden den 2. Mai dieses Jahres in guter Erinnerung behalten. Der Kurs des Bierpapiers zoomte innerhalb weniger Minuten von 93 auf 119 Euro. Mit 28 Prozent Plus schafften Anleger mit guter Nase an einem einzigen Tag, wofür Sparbuchsparer gut und gerne sieben Jahre brauchen. Grund für die wundersame Wertvermehrung war ein Übernahmeangebot des niederländischen Braukonzerns Heineken. Zu holen war noch mehr: Schon die Ankündigung der österreichischen Großaktionäre, über einen Verkauf ihrer Anteile nachzudenken, ließ den Kurs in wenigen Wochen von siebzig auf über neunzig Euro steigen. Der Gesamtgewinn für BBAG-Aktionäre: siebzig Prozent.

Eine ähnliche Erfahrung machten auch die Telekom-Austria-Aktionäre – freilich vorläufig ohne Happy-End. Gerüchte über einen Verkauf des ÖIAG-Anteils an die Swisscom jagten den Kurs binnen zwei Wochen von 9,3 auf 11,1 Euro. Als sich der Deal zerschlug, fiel das Papier jedoch in zwei Tagen unter zehn Euro zurück.

Aktien von Übernahmekandidaten sind besonders begehrt. Will ein Konkurrent oder ein Großinvestor ein börsennotiertes Unternehmen kaufen, ist er oft bereit, einen weit höheren Preis für die Aktien zu bezahlen als den aktuellen Börsenkurs. Von diesem Mehrwert konnten österreichische Anleger lange Zeit nicht profitieren. Verkaufte ein Großaktionär seine Anteile an einen anderen, so lief dieser Deal an der Börse vorbei und der Kleinanleger schaute durch die Finger. Erst das Übernahmegesetz zwingt den neuen Eigentümer dazu, auch dem Streubesitz ein Angebot zu machen. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn ein neuer Großaktionär über dreißig Prozent an einem Unternehmen erwirbt und ein so genannter Kontrollwechsel erfolgt.

Take-over sind an der Wiener Börse wegen der sehr stabilen Eigentümerstruktur bei heimischen Unternehmen eher selten. Während in den USA laut OECD über achtzig, in Großbritannien über siebzig Prozent aller börsennotierten Unternehmen keinen dominierenden Eigentümer haben, sind es in Österreich gerade einmal 17 Prozent. Doch durch die Privatisierung der ÖIAG-Beteiligungen ist die Übernahmewelle auch nach Wien geschwappt. So brachte der Take-over der Austria Tabak Anlegern bis zu hundert Prozent Gewinn, und allein seit Jahresbeginn ist die Aktie der zum Verkauf anstehenden Voestalpine um über fünfzig Prozent nach oben geschossen. Beim Linzer Stahlkonzern ist die Luft damit aber noch nicht heraußen: Unter dem Buchwert von 43 Euro dürfte die ÖIAG kaum verkaufen. Zu einem Übernahmeangebot kommt es allerdings nur dann, wenn das 34-Prozent-Paket an ein einzelnes Bieterkonsortium geht.

Eine andere Variante, die vor allem Börse-Chef Stefan Zapotocky bevorzugt, wäre ein kleinweiser Verkauf direkt über den Kapitalmarkt. Mittelfristig dürften auch bei der Telekom noch dreißig Prozent Kursplus möglich sein.

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Plus: Was bei Übernahmen an der Börse gilt
Plus: Börse-Chef Zapotocky im FORMAT-Interview
Plus: Der FORMAT-Aktienmanager

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