Therapeutisches Handeln vor Schuldzuweisungen

„Die Be­hörden sind grundsätz­lich immer im Dilemma, zu viel oder zu wenig einzugreifen.“

Österreich ist geschockt. Mitten unter uns miss­braucht ein Vater mehr als dreißig Jahre lang seine Tochter und zeugt mit ihr sieben Kinder, ohne das Wissen seiner Frau. Außerdem sperrt er die Tochter für 24 Jahre in ein Verlies und einige der Kinder dazu. Das ­Verbrechen, das hier begangen wurde, sucht seinesgleichen. Es lässt uns alle sprachlos zurück. Ein erster psychischer Bewältigungsmechanismus besteht darin, einen Schuldigen zu suchen. Ich möchte den Blick aber zuerst auf die Opfer werfen: auf die missbrauchte Tochter, die sicherlich verstörten Kinder und die ahnungslose Ehefrau. Sie müssen nun Schlimmes durchmachen, ist doch ihre soziale ­Identität nicht nur infrage gestellt, sondern wohl auf sehr ­lange Zeit beschädigt. Therapeutisches Handeln ist also zu­vorderst notwendig. Den armen Betroffenen gilt das Mitgefühl.

Wer ist schuld? Wer ist mitschuld? Volkes Stimme ist mit Schuldzuschreibungen schnell bei der Hand. Stattdessen wäre aber verantwortungsvolles Untersuchen und sinnvolles Abwägen das Gebot der Stunde. Sind die Behörden mitschuld? Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, sondern vielmehr erst angelaufen. In dieser Sache wird selbstverständlich auch die Rolle der Behörden Gegenstand der Untersuchungen sein. Grundsätzlich sind die Behörden immer in einem Dilemma: Greifen sie zu viel ein, ernten sie den Vorwurf der Gesinnungsschnüffelei. Respektieren sie die Privatsphäre, entsteht schnell der Vorwurf der mangelnden Sorgfalt. Der gesetzliche Rahmen bietet einen Spielraum, in dem der einzelne Beamte sorgfältig abwägen muss. In diesem schockierenden Fall steht das Urteil über die Handlungsweisen der Behörden noch aus. Eines lässt sich aber anhand der derzeitigen Faktenlage sagen: Die österreichischen Sherlock Holmes waren nicht erfolgreich. Die Behörden konnten weder die Frau noch die Kinder vor dem Täter schützen. Die Mitschuldfrage wird aber noch zu klären sein.

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