'The Dark Knight' trifft den Nerv der Zeit

„The Dark Knight“, der jüngste Batman-Film, schickt sich an, der erfolgreichste Film aller Zeiten zu werden. Das ist nicht nur der Verdienst ausgezeichneter Filmemacher, sondern auch jener cleverer Marketingleute.

Erfolge haben in der Regel viele Väter, sagt man. Im Fall von „The Dark Knight“, dem aktuellen Superhit aus Hollywood, der sich anschickt, der erfolgreichste Film aller Zeiten zu werden, ist einer dieser Väter ein Toter.
Heath Ledger ist am 22. Jänner im Alter von 28 Jahren an einem, wie es heißt, unbeabsichtigt zusammengemischten tödlichen Cocktail aus diversen Medikamenten in New York gestorben. Dass er da ­gerade die Rolle des Jokers, dieses fins­teren Schurken, in dem neuen Batman-Film abgedreht hatte, ließ die lauernde Mythen-Industrie zur Hochform auflaufen. Hatte diese Rolle des „Agenten des Chaos“ zu sehr von ihm Besitz ergriffen? War er zu tief eingetaucht in das Reich der Finsternis? Konnte er nicht mehr unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Filmwelt? Waren da etwa gar geheimnisvolle Kräfte am Werk?

Die Marketingleute von Warner Bros. , jenem Hollywoodstudio, das den Film produziert hatte und als Verleiher nun ­gerade dabei war, ihn auch in die Kinos zu bringen, reagierten sehr schnell und schnitten die Werbekampagne sofort auf Heath Ledger, dessen frühen, tragischen Tod und auf seine Rolle des Jokers zu. Wie in solchen Fällen ­üblich, wurde auch hier der Vergleich mit dem ebenfalls so jung verstorbenen James Dean bemüht. Es wurden Geschichten in Umlauf gebracht, die zeigen sollten, wie sehr Ledger in seiner letzten Rolle aufging, wie er sich wochenlang in ein Hotelzimmer eingeschlossen hatte, um in den Charakter einzutauchen, und wie er ein ­Tagebuch geführt hatte, in das er nicht seine eigenen, sondern Jokers Gedanken und Gefühle eintrug. Sogar eine Kampagne wurde gestartet, um Heath Ledger posthum einen Oscar zukommen zu lassen.

Das Geschäft mit der Fledermaus. Aber auch sonst spulte Warner Bros. all die Marketing- und Merchandising-Aktivitäten ab, um die man heutzutage beim Start so einer Großproduktion nicht umhinkommt. Breit gefächert, ist sie so an­gelegt, dass jede relevante Zielgruppe ­angesprochen wird. So führt Hauptdar­steller Christian Bale als Batman-Alter-Ego Bruce Wayne in Mode- und Lifestylezeitschriften und auf Anzeigenseiten seine Giorgio-Armani-Kollektion vor, da fährt beim englischen Formel-1-Grand-Prix in Silverstone am 6. Juli ein Toyota-Wagen mit dem Batman-Logo im Kreis – gerade rechtzeitig zum Filmstart in Großbritannien. Klar, dass auch Bruce Wayne selbst in einem extracoolen Auto und mit einer Höchstgeschwindigkeit von angeblich 340 Stundenkilometern durch Gotham City jagt, diesmal mit einem Lamborghini ­Murciélago LP640. Für die, die für den Lamborghini noch zu jung sind, wurde in Zusammenarbeit mit dem Spielzeuge­hersteller Mattel eine Reihe von Spielen und Figuren auf den Markt gebracht. Die Web-2.0.-Generation wurde mit Online-Communitys wie www.WhySoSerious.com und www.RorysDeathKiss.com angesprochen, Outdoor-Actionfans mit einer „Dark Knight“-Achterbahn in den beliebten Six Flags Theme Parks.

Selbstverständlich begleiteten den Start des Films alle Sicherheitsmaßnahmen, die in Zeiten des Internets unvermeidlich sind. Da wurden die Kopien nicht in ihrer Gänze an die Kinos und an die Screening Rooms ausgeliefert, sondern nur getrennt in einzelnen Rollen, um zu verhindern, dass der gesamte Film bereits vorzeitig im Internet zu sehen ist; da wurden bei den Pressevorführungen und den Branchenscreenings Leute mit Nachtsicht­geräten vor die Leinwand gestellt, damit sie kontrollieren, ob nicht jemand den Film mit seinem Handy oder einer digitalen Kamera mitfilmt; da wurden Filmkritiker und alle anderen, die „The Dark Knight“ vorab sehen konnten, beim Be­treten der Kinos durchsucht, als würden sie ein Flugzeug besteigen.

Es war eine große Inszenierung mit der beabsichtigten Wirkung. Erstens wurden alle diese Maßnahmen immer wieder in den Medien vermeldet, was dem Film eine fast tägliche Erwähnung einbrachte, zum anderen konnte tatsächlich das Auf­tauchen einer vollständigen Fassung im Internet um einige Tage hinausgezögert werden. Erst 38 Stunden nach dem Kinostart in Australien – der als Hommage an seinen australischen Star Heath Ledger bereits zwei Tage vor dem US-Start stattfand – tauchte die erste vollständige Version im World Wide Web auf.

Und jetzt die Zahlen: Gekostet hat „The Dark Knight“ geschätzte 185 Millionen Dollar. Gleich am ersten Wochenende spielte er in 4.366 US-Kinos 158 Millionen Dollar ein, das waren 36 Prozent aller Kinoeinnahmen in diesen Tagen – ein neuer ­Rekord. Etwa 450 Millionen Dollar hat „The Dark Knight“ bislang in Nord­amerika eingespielt, weltweit sind es mehr als 700 Millionen. Und nicht nur in den regulären Kinos ist der Film erfolgreich. Regisseur Christopher Nolan hat auch eine Superbreitwand-IMAX-Fassung zusammengestellt, und auch die ist ganz vorn, was die Einahmen betrifft: Fast 20 Millionen Dollar bedeuten IMAX-Rekord. Damit geht es jetzt also der „Titanic“, dem bislang erfolgreichsten Film aller Zeiten, an den Kragen. „Titanic“ hat in Nordamerika 601 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sind es 1,842 Milliarden.

Eine sehr düstere Vision. Und der Film selbst? Wie gut ist er tatsächlich? Regisseur Christopher Nolan inszeniert ihn als extradüstere Vision, in der Bruce Wayne alias Batman es wieder mit dem Joker, diesem Clown des Bösen, zu tun kriegt. Die Verbrechen, die Gotham City erschüttern, sind außer Kontrolle geraten, und Elemente der Rechtsstaatlichkeit werden schon mal außer Kraft gesetzt im Interesse von Sicherheit und Frieden.

Bemerkenswert war die Auseinandersetzung mit ebendieser politischen Botschaft des Films. Vor allem konservative Kommentatoren haben sie aufgegriffen und als Rechtfertigung für aktuelle amerikani­sche Menschenrechtsverletzungen in Guan­tánamo und für andere Einschränkungen der persönlichen Freiheiten anlässlich der Terrorbedrohungen, denen die USA aus­gesetzt sind, angesehen. Im konservativen „Wall Street Journal“ ging der Kolumnist Andrew Klavan gar so weit, den Film als eine Hymne auf George W. Bush zu interpretieren und seinen Erfolg als Zustimmung zu dessen Politik. Die Filmkritiken zu „The Dark Knight“ waren in der Regel sehr gut, auch wenn er an Tim Burtons legendären Batman-Film aus dem Jahr 1989 nicht heranreicht. Und der 37-jährige Christopher Nolan („Memento“, „Batman Begins“) gilt nun zu Recht als einer der interessantesten jüngeren Regisseure Hollywoods. Und Heath Ledger? Seine Interpretation des Jokers ist tatsächlich beeindruckend.

Von Gerald Sturz

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