Thalhammers Vermächtnis: Der geheime Bawag-Deal

Volksbanken-General Klaus Thalhammer hatte den Einstieg bei der Bawag bis ins Detail geplant. Die Verhandlungen wurden nur durch seinen Tod unterbrochen.

Klaus Thalhammer wollte den Deal unbedingt noch in diesem Jahr über die Bühne bringen. Nur ausgewählte Personen wurden in die vertraulichen Gespräche des Volksbanken-Generals eingeweiht. Der brisante Inhalt der Geheimverhandlungen: Die Bayerische Landesbank sucht einen Käufer für ihre 46,43 Prozent an der Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag). Und die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) will den Deutschen diese Aktien abkaufen.

Die bereits Anfang Juli begonnenen Gespräche standen kurz vor dem Abschluss. Die Unterzeichnung eines Letter of Intent zwischen BayernLB-Chef Werner Schmidt und Thalhammer war für die Woche zwischen 22. und 26. September terminisiert – nach Schmidts Rückkehr aus dem Urlaub. Das Treffen zum geheimen Bawag-Deal kam aber nie zustande. Grund: der überraschende Tod von Klaus Thalhammer am 22. September. Das Ableben des ÖVAG-Chefs hinterließ ein Machtvakuum im Volksbanken-Vorstand.

Wichtige Entscheidungen wie etwa der Kauf der Bawag-Anteile wurden daher bis auf weiteres sistiert. Volksbanken-Verbandsanwalt und ÖVAG-Aufsichtsrat Hans Hofinger zum Verlust seines langjährigen Freundes: „Der Klaus war ein großer Visionär und ein Kämpfer für die Selbständigkeit des Volksbankensektors.“

Die Handschrift des ÖVAG-Chefs beim Bawag-Deal ist eindeutig erkennbar. Das Herzstück des Thalhammer-Plans, der freilich nicht gänzlich verworfen wurde, ist eine neu zu errichtende, in Wien domizilierte Bankenholding, zu deren Gunsten die Machtverhältnisse in der Bawag verschoben werden sollen. Derzeit kontrolliert der Gewerkschaftsbund 53,57 Prozent der Bawag-Aktien, der Rest entfällt auf die Bayerische Landesbank.

Die einzelnen Schritte zur Machtverschiebung im Detail:

  • Die BayernLB verkauft per Jahresende für rund 630 Millionen Euro insgesamt 21 Prozent der Bawag an die ÖVAG und zieht sich auf eine Sperrminorität von 25,43 Prozent zurück. Der ÖGB stimmt der Transaktion zu, behält aber sein Vorkaufsrecht für die beiden Aktienpakete.
  • Die Volksbanken übernehmen im nächsten Schritt 4,57 Prozent vom ÖGB und bauen damit ihren Anteil auf eine Sperrminorität von 25,57 Prozent aus. Größter Einzelaktionär der Bawag bleibt die ÖGB-Stiftung – sie hält 49 Prozent. Das ÖGB-Vorkaufsrecht bleibt ebenso bestehen.
  • ÖVAG und BayernLB bündeln ihre Anteile in einer neuen Bankenholding, die dann insgesamt 51 Prozent an der Bawag kontrolliert. Ein Syndikatsvertrag zwischen ÖGB und ÖVAG garantiert eine österreichische Kernaktionärsgruppe, die bei speziellen Themen im Aufsichtsrat einheitlich abstimmt.

Für BayernLB-Chef Werner Schmidt, der seine Geheimgespräche mit Thalhammer gegenüber FORMAT nicht näher kommentieren wollte, würde die Bankenholding nur Vorteile bringen: Bislang gebundenes Eigenkapital wird für die Sanierung der Bayern-Bilanz frei, weil Schmidt über die Hälftebeteiligung an der Bankenholding – rein bilanztechnisch – die lang ersehnte „unternehmerische Führung in der Bawag“ bekommt.

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