„Tag des Herrn“

Karlheinz Essl, 67, Aufsichtsratschef der bauMax-Gruppe, Kunstsammler und praktizierender Protestant, über Ostern, Luxus, Moral und christliche Werte in der Wirtschaft.

FORMAT: Wie feiern Sie Ostern?
Essl: Für uns Protestanten ist es das wichtigste Fest im Jahr: Jesus war Mensch und Gott in einer Person. Er musste sterben, damit die Menschen den Zugang zu Gott wieder finden. Wir begehen den Karfreitag mit einem Familiengottesdienst.
FORMAT: Fasten Sie vor Ostern?
Essl: Ich habe eine Leidenschaft: Ich genehmige mir nach dem Essen gern eine süße Nachspeis. Darauf verzichte ich in der Karwoche.
FORMAT: Die protestantische Ethik war die Grundlage für die Entstehung des Kapitalismus. Würden Sie das unterschreiben?
Essl: Da beziehen Sie sich auf Max Weber. Für mich ist Protestantismus etwas anderes: Wenn ein Protestant eine Aufgabe hat, dann ist das eine, die hinauswirkt über die eigene Person und die Familie. Sie hat Relevanz für die Gesellschaft.
FORMAT: Das kapitalistische Moment am Protestantismus ist der Auftrag, fleißig und möglichst effizient zu arbeiten, wobei das Ansammeln von Vermögen gutgeheißen wird.
Essl: Es kommt immer darauf an, was man mit dem Vermögen tut, ob man es für sich verwendet oder im Sinn eines Auftrages investiert. Die Protestanten haben immer sehr bescheiden gelebt, in dem Wissen, dass Wohlstand und Reichtum etwas von Gott Gegebenes sind, ein Geschenk und eine Gnade, die freilich auf unserer Tüchtigkeit beruht.
FORMAT: Dann betrachten Sie Arbeiten, wie der Soziologe Weber sagte, als innerweltliche Askese?
Essl: So kann ich dem nicht zustimmen. Das klingt zu sehr nach Bürde. Ich liebe es, zu arbeiten. Allerdings wissen wir alle, wie kurzfristig Erfolg ist, und ob jemand Erfolg hat, hängt auch wieder nicht ausschließlich von seiner Leistung ab, sondern unter anderem davon, mit welchen Rahmenbedingungen er konfrontiert wird. Alles kann in jedem Moment wie eine Seifenblase zerplatzen. Viele verstehen das nicht und sind von Egoismus und Eigensucht getrieben, was blind für den Nächsten macht. Das Leben funktioniert aber nur durch Teilen, durch Nehmen und Geben. Je mehr ich gebe, desto mehr bekomme ich.
FORMAT: Geben ist seliger als Nehmen?
Essl: Ja.
FORMAT: Konsequent gedacht, müssten Sie dann ja eigentlich besitzlos sein.
Essl: Ich bin kein Fantast. Nur: Wenn es jemand mit Gott ernst meint, kann er nicht in der Kirche anders als in der Familie und im Beruf denken. Dann hat er eine Stopptafel im Herzen eingepflanzt, die er nicht ungestraft überfahren kann. Er kann immer noch entscheiden, trotzdem drüberzufahren. Wer diese Sensibilität aber nicht hat, fährt einfach durch die Landschaft, ohne die Zeichen zu beachten, und das ist fatal.

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