Superstar Robbie Williams gewährt tiefe Einblicke

Der britische 80-Millionen-Pfund-Mann wird 2003 die Popwelt dominieren. Am 4. Juli gastiert er live in Wien. In FORMAT erkundet der britische Musikjournalist Chris Heath die Williamssche Seele.

Der britische Musikjournalist Chris Heath gilt als gleichermaßen intimer wie seriöser Kenner der Popwelt und schrieb unter anderem eine vielbeachtete Biographie über die Pet Shop Boys. Für den „Daily Telegraph“ verbrachte er, über ein halbes Jahr verteilt, tagelang an der Seite von Robbie Williams. Hier seine Impressionen:

An einem Augustnachmittag stehe ich vor Robbies Villa in Beverly Hills. Seine Köchin, der ich bei früheren Besuchen nicht begegnet war, erklärt, daß er noch schläft, sie führt mich aber in den Garten und bietet mir Kaffee an. Ich genieße den Blick über den Pool bis nach Los Angeles hinunter, während Robbies drei Hunde um mich herumtollen.
Eine Stunde später höre ich eine Stimme, die meinen Namen ruft. Durch die Bäume ist Robbie auf dem Balkon seines Schlafzimmers zu erkennen – nackt, abgesehen von den vielen Tätowierungen. „Das befreit“, ruft er.

Bekleidet
Ein paar Minuten später kommt er – bekleidet – zu mir herunter. Obwohl England nach wie vor seine offizielle Heimat ist, verbringt Robbie Williams den Großteil des Jahres in Beverly Hills. „Wenn ich aufstehe, scheint hier immer die Sonne“, sagt er. „Das ist unglaublich.“ Er schaut plötzlich nach oben. Über dem Kamm taucht ein niedrig fliegender Helikopter auf. „Nein, das darf doch nicht …“ Seine Miene verdüstert sich, der ganze Witz, hinter dem er seine Gefühle gewöhnlich verbirgt, besonders wenn es um wirklich ernste Sachen geht, ist verschwunden. „Wenn der hier kreist, dann …“ Doch der Helikopter fliegt weiter.

Robbie Williams ist nie allein. „Ich kann nicht gut allein sein“, sagt er. „Grauenhafte Vorstellung.“ Er ist immer von so vielen Leuten umgeben, daß ich mich frage, ob wir je die Gelegenheit haben werden, ein längeres Gespräch zu führen.
Spritztour im jaguar. Eines Nachmittags in seiner Villa verkündet Robbie plötzlich, daß er sich mit mir ein leerstehendes Haus in der Nähe ansehen will. Einfach zum Spaß. Wir steigen in seinen schwarzen Jaguar. Er fährt. (Er hat zwar mehrere Autos, aber keinen Führerschein, die Straßen in dieser privaten Siedlung sind allerdings nicht öffentlich.) Und plötzlich fängt er an zu reden. Nach Los Angeles, erklärt er, sei er gezogen, um einen zu ihm passenden Lebensstil zu finden. „Seit sechs Jahren war mir klar, daß ich aus England weggehen mußte, wenn ich ein Leben führen wollte, in dem ich nicht ständig unter mikroskopischer Beobachtung stehe. Ich wollte nicht weg, hab viel geheult. Immer mußte ich an den Park denken, in dem ich als Kind war, an die Spaziergänge mit den Hunden, an die Picknicks – all das war nicht mehr möglich.“

Aber auch L.A. sieht er seit kurzem in anderem Licht. „Es ist alles irgendwie kaputt“, sagt Robbie. „Überall nur Hintergedanken an Karriere und Beziehungen. Die letzten Wochen waren ernüchternd. In der ersten Zeit habe ich hier alles bekommen – Freunde, viel Arbeit und die Möglichkeit, das Leben zu genießen, und auf einmal …“ Er seufzt. Außerdem quält ihn der Verdacht, jemand aus seiner Umgebung könnte der britischen Presse Storys verkaufen. „Ich muß nur etwas denken, und schon steht es in den Zeitungen. Das macht mir wirklich angst“, sagt er. „Wahrscheinlich sind alle Telefone angezapft. Ich kann niemandem mehr trauen.“ Er erzählt, wie sehr er sich darüber freut, daß sein Vater, den er zum letzten Mal vor 18 Monaten getroffen hatte, jetzt da ist. „Wir verstehen uns endlich wieder prima“, sagt er. „Es ist so, als wäre nie etwas gewesen.“

Sein Vater, Komödiant und Entertainer, hat sich von der Mutter getrennt, als Robbie ganz jung war. Daß er den Kontakt zum Vater lange Zeit nicht gesucht hat, hat mit der eigenen Alkoholvergangenheit zu tun.

Vater statt Freund
Gemeinsame Sauftouren spielten eine wichtige Rolle in ihrer Beziehung, und Robbie hatte Sorge, daß er auch wieder anfangen würde, wenn er seinen Vater trinken sieht. „Ich habe früher gern mit meinem Dad getrunken“, sagt er. „Wir haben uns super amüsiert.“ Das war das Problem. „Ich brauchte einen Vater, keinen Freund.“

Robbie Williams ist erst 28, aber er hat einiges erlebt. Wenn man eine Weile mit ihm zusammen ist, stößt man auf Schnappschüsse aus der Zeit, in der sich Depressionen, Drogen und Alkohol zu einer unheilvollen Spirale verbanden. „Weißt du, wann ich das erste Mal Kokain genommen habe? Zwei Minuten vor dem ersten Bühnenauftritt mit Take That. Schreib das auf!“

Völlig zugeknallt
Und David Enthoven, sein Co-Manager und zuständig dafür, ihn von diesen Problemen fernzuhalten, erzählt, wie er Robbie um sieben Uhr morgens auf einer Parkbank in Newcastle entdeckte, nach einer Tour durch Stripklubs und völlig zugeknallt. Robbie erinnert sich an 25 Guinness, die er an einem Tag getrunken hat. „Ich habe die ersten fünf Gläser hintereinander in einem Zug geleert. Und dann habe ich alles über Liam Gallaghers Vorhänge in New York wieder ausgekotzt.“

Autor: Chris Heath

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