Superfund-Gründer Baha im Interview:
"Hedgefonds sind nicht schuld an der Krise"

Superfund-Gründer Christian Baha über die Verantwortlichen für die Börsenkrise, das schlechte Image von Hedgefonds, bessere Regulierung und die richtige Geldanlage.

FORMAT: Sie werden als der "Mr. Hedgefonds" in Österreich gesehen. Haben Sie damit ein Problem, seit Hedgefonds als eine Ursache für den Finanz-Crash gelten?

Baha: Würden die Leute verstehen, dass Hedgefonds die beste Anlage-Klasse sind, dann wäre das okay. Eigentlich bin ich gerne Mr. Hedgefonds. Das Problem ist allerdings, dass Hedgefonds ein falscher Ruf vorauseilt. Sie werden verantwortlich gemacht, wenn die Preise von Erdöl und Nahrungsmitteln steigen oder wenn Wirtschaftskrisen ausbrechen. Dass dies falsch ist, wissen wir, seit die größten Investmentbanken crashen.

FORMAT: Aber auch Superfund spekuliert auf steigende und fallende Kurse.

FORMAT: Ja. Der Haupterfolg von Hedgefonds ist, dass sie hohe Renditen für Anleger erzielen. Die meisten anderen Strategien sind nur auf steigende Kurse ausgerichtet, was sehr gefährlich ist. Wir verdienen auch, wenn die Kurse fallen.

FORMAT: Weil Sie mit Derivaten handeln. Und genau die haben das System zum Einsturz gebracht …

FORMAT: Halt. Es gibt zwei Arten von Derivaten. Das Geschäft von Hedgefonds sind in der Regel an den Börsen gehandelte Derivate, also Termingeschäfte auf Waren. Die schaffen enorme Liquidität und sind eigentlich ein gutes Korrektiv im Markt. Die zweite Art von Derivaten sind jene, die Banken nur untereinander handeln. Die werden von irgendwelchen Wirtschaftsprüfern oder Ratingagenturen bewertet. Ein Immobilienkontrakt wird nie an einer Börse gehandelt. Diese Instrumente sind die brandgefährlichen, die jetzt auch explodiert sind.

FORMAT: Die Banken alleine sind schuld?

Baha: Vor allem Investmentbanken. Die haben an den Subprimes, am Aufbau einer Immobilienblase und mit Swaps jahrelang mörderisch verdient. Sie haben mit einem riesigen Leverage, also mit einem Hebel, auf das eingesetzte Kapital agiert – und alles auf steigende Kurse gesetzt. Das waren riesige Bomben. US-Investmentbanken und -Versicherungen haben in den letzten Jahren das Geld verdient, das jetzt verloren gegangen ist. Nicht Hedgefonds.

FORMAT: Welche Konsequenzen müssen aus dem Desaster gezogen werden? Was halten Sie von den aktuellen Einschränkungen des Short-Selling, also für das Setzen auf fallende Kurse?

Baha: Damit kann man das Unvermeidliche nicht aufhalten, den Absturz eines Kurses verhindern. Eine Blase muss irgendwann platzen. Man kann einen toten Patienten nicht wiederbeleben.

FORMAT: Jene, die trotz Misserfolgen fette Boni kassieren, rücken die ganze Finanzwelt in ein schlechtes Licht. Auch Sie haben mit Finanzkonstruktionen viel Geld verdient. Sind Sie kein Spekulant?

Baha: Nein, ich scheue das Risiko. Ich investiere in Immobilien, in Gold, in meine eigenen und andere Hedgefonds. Zusätzlich habe ich eine Softwarefirma.

FORMAT: Das Instrument Hedgefonds wird die Finanzkrise aus Ihrer Sicht unbeschadet überleben?

Baha: Mehr noch. Ich glaube, dass Hedgefonds die Zukunft der Geldanlage sind. Weil hier die Formel nicht gilt, dass hohe Renditen zwangsläufig hohes Risiko bedeuten. Außerdem sind Terminbörsen die ältesten Börsen der Welt. Seit 1.000 Jahren haben Menschen den Preis von Tulpen, Kaffee oder Weizen mit Terminkontrakten abgesichert.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT 40/2008.

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